Umgang mit Angst bei Kindern

Umgang mit Angst bei Kindern (© Tomsickova / stock.adobe.com)

Manche Ängste sind im Kindesalter ganz normal. Sie gehören zur Entwicklung und zu einem angeborenen Schutzinstinkt dazu. Andere Ängste können völlig übersteigert, angenommen oder hochgradig manipulativ sein. Eltern sind aufgerufen, Angst bei ihren Kindern immer ernst zu nehmen.

Umgang mit Angst bei Kindern: Was passiert eigentlich bei Angst?

Angst und Furcht sollten eigentlich nur vorübergehende Zustände sein. Diese Emotionen warnen uns in der Regel vor gefährlichen Situationen. Doch die gibt es in der Realität nur sehr selten. Nach dem Warnmechanismus sollte Angst wieder vergehen.

Ist Angst chronisch (vgl.: Kind hat Angst vor allem) oder bezieht sie sich auf irreale Umstände und Dinge, kann sie ständig vorhanden sein und die Psyche eines Kindes nachhaltig schädigen.

Bei Angst verändern sich die Hormone und die Art, wie das Gehirn mit Sinneseindrücken und Wahrnehmungen umgeht. Werden solche organischen Zustände dauerhaft, drohen neben Entwicklungsstörungen Folgeerkrankungen wie Autoimmunreaktionen, Infektanfälligkeit, Verdauungsstörungen und verschiedenes mehr.

Angst bei Kindern kann ganz verschieden aussehen

Kinderängste können in verschiedenen Stärken, Häufigkeiten und Arten vorkommen. Etwa eines von zehn Kindern kennt heutzutage größere Probleme mit Angst.

Neben den entwicklungsbedingten Ängsten sind Kinder heute schon früh mit gesellschaftliche, sozialen oder den Problemen und Ängsten der Eltern konfrontiert.

Ängste vor neuen Situationen, Fremden, der Schule, dem Kindergarten und ähnlichen Herausforderungen sind bis zu einem gewissen Grad normal.

Ein besonders sensibler, therapeutischer oder pädagogischer Umgang mit Angst ist angezeigt, wenn:

  • Angstzustände dauerhaft sind
  • die Lebensqualität des Kindes leidet
  • weitere Verhaltensprobleme auftreten
  • körperliche Symptome entstehen.

Umgang mit Angst bei Kindern: Besser vermeiden als heilen

Kinder sollten in einem möglichst entspannten Umfeld aufwachsen. Wo Eltern eine positive Einstellung dem Leben gegenüber haben und Werte wie Glück, Erfolg und Liebe leben, entwickeln Kinder weniger Angst.

Wichtig ist neben dem familiären Umfeld auch der Freundeskreis sowie Medienkonsum von Kindern.

Hier sind Eltern aufgerufen, ihre Kinder zu beobachten und bei bedenkenswerten Kontakten oder Gewohnheiten ihres Nachwuchses liebevoll einzugreifen.

Alltagsängste bei Kinder: das können Eltern tun

Zeigt ein Kind Angst, sollten Eltern diese Fragen klären:

  1. Ist es eine normale oder entwicklungsbedingte Angst?
  2. Wie oft taucht die Angst auf?
  3. Wie sehr behindert sie Angst mein Kind?
  4. Zeigt das Kind Anzeichen, seine Angst zu überwinden oder geht es kreativ damit um?
  5. Zeigt das Kind weitere Auffälligkeiten (Aggressionen, Unlust, Lernschwierigkeiten)?
  6. Zeigt das Kind womöglich sogar körperliche Symptome?

Leichte Formen der Angst sind kein Grund zur Sorge. Sie gehören zum Aufwachsen dazu. Kinder lernen im Laufe ihrer Entwicklung immer neue Bereiche dieser Welt und des sozialen Zusammenlebens kennen. Dabei können immer neue Herausforderungen und Unbekanntes auftauchen.

Unsere chaotische Welt, in der es zudem sehr viel Medienkonsum und Informationsquellen gibt, können Kindern zusätzlich fordern oder auch überfordern.

Schaut der Nachwuchs schlechte Nachrichten im Fernsehen mit oder Kriminalfilme kann das eine Auswirkung haben. Plötzlich merken die jungen Menschen, dass es Unglücke, Kriege, Verbrechen und andere schreckliche Dinge in der Welt gibt. Die Kinderpsyche braucht Zeit, solche Dinge zu verarbeiten und einzuordnen.

Sensible Typen reagieren hier natürlich ganz anders, als weniger empfindliche Naturen.

Generelle Tipps zum Umgang mit Angst

Zeigt ein Kind leichte bis mittelschwere Angst oder Ängste, heißt es zunächst die Situation zu beobachten und dem Kind liebevolle Sicherheit und Führung zukommen zu lassen.

Eltern sollten ihre Kinder unbedingt auf Ängste ansprechen, wenn sie öfter vorkommen oder das Kind die Angst alleine nicht bewältigen kann. Dabei sind folgende Punkte von größter Bedeutung:

1. Die Angst ernst nehmen

Zunächst muss das Kind in der Angst bestätigt werden: Sie ist da und darf da sein („es ist in Ordnung, wenn du Angst hast“). Reden Eltern ihren Kindern eine akute Angst aus („da ist doch gar nichts, hab dich nicht so“ usw.) kann das von einem Kind als Abwertung oder Desinteresse gewertet werden.

2. Gespräche über die Angst

Im nächsten Schritt ist es von Bedeutung, die Sichtweise und Gedanken des Kindes kennenzulernen. Hier dürfen sich Erwachsene nicht anmaßen, die Welt besser oder anders wahrzunehmen als ein Kind (z.B. wenn das Kind jemanden partout nicht mag).

Vielmehr ist ein fairer und offener Austausch mit dem Kind über die Angst gefragt.

„Was macht dir an dieser Sache/dieser Person Angst?“

3. Lösungswege finden

Lassen sich Ängste nicht alleine durch die Akzeptanz und Aussprache bewältigen, können Eltern und das Kind gemeinsam Lösungswege finden („Was müsste passierten, damit du keine Angst mehr hast?“).

Kreative Wege aus der Angst

Kinderängste hängen oft sehr mit der starken Fantasie der Kinder zusammen. Warum diese also nicht auch zu positiven Zwecken nutzen!

Bei Kindern wirken Maßnahmen wie geführte Bilder- und Fantasiereisen oder Visualisierungen sehr gut. Kinder können sich vorstellen:

  • Sich in Gedanken in den Lieblings-Superhelden oder eine Fee oder Zauberin zu verwandeln, sobald die Angst kommt.
  • Die Technik, sich innerlich in einen Stein zu verwandeln, führt zum kurzzeitigen Herunterfahren der Emotionen.
  • Bei diffusen Ängsten hilft es, wenn Kinder dieser Angst eine Fantasie-Gestalt geben und beginnen, mit ihr zu sprechen.

Diese Techniken können sehr effektiv sein, das Gefühl und die Wahrnehmung der Angst können sich sofort verändern.

Angst mit Mut begegnen – YouTube

Umgang mit Kinderängsten: Ab wann zum Therapeuten?

Spätestens wenn Kinder Panikattacken (vgl. Panikattacke beim Aufwachen), körperliche Symptome oder deutliche Einschränkungen aufgrund von Ängsten haben, sind Therapeuten die besten Ansprechpartner.

Kinder-Psychologen oder auch alternative Therapeuten können die Situation und die Schwere einer Angst professionell und sicher beurteilen. Sie sind im Umgang mit Angst bei Kindern geschult und kommen oft schneller zum Ziel, als Eltern das können. Sie wissen, wie Ängste entstehen, welche normal sind und ab welchen Grenzen ernsthafte Störungen beginnen.

In der Kinder-Psychologie wird neben Gesprächstherapien, mit dynamischen Techniken, gestalterischem Spiel und systematischem Umkonditionieren von Verhalten, Gefühlen und Reaktionsmustern gearbeitet.

Im Gespräch kann ein Psychologe einem Kind mit starken Ängsten oft die Irrationalität der Angst begreiflich machen und Kinder lassen durch die beeindruckende Erfahrung dann los.

Phobien bei Kindern

„Phóbos“ ist das griechische Wort für „Flucht“, „Furcht“ oder „Schrecken“.

Es gibt bekannte Phobien wie die Angst vor Spinnen, Schlangen, Hunden, Menschenansammlungen und engen Räumen. Doch es gibt – auch bei Kindern – eher sonderbare Phobien: die Angst oder der Ekel vor Knöpfen (Koumpounophobie), Angst vor Clowns (Coulrophobie) oder die Angst vor Blumen (Anthophobie).

Phobische Kinder müssen nicht unbedingt Zeichen der Angst oder Furcht zeigen. Oft zeigt sich eine Phobie auch in Form eines heftigen Ekels oder eines Gefühls des Widerstandes, für die es keine rationale Erklärung gibt.

Mit einigen leichten Formen dieser Angststörung (Angst vor Spinnen oder Schlangen) empfiehlt sich ein lockerer Umgang mit Kinderängsten. Oft lassen sich die Trigger im Alltag sehr gut vermeiden.

Was können Eltern tun, wenn ihre Kinder Angst vor dem Kindergarten oder der Schule haben?

Hinter der Angst vor dem Kindergarten oder der Schule stecken einige ganz normale entwicklungsbedingte Ängste und Grundängste:

  • Trennungsängste
  • Angst vor dem Unbekannten
  • Angst vor Überforderung oder Zwang
  • Angst vor unbekannten Menschen.

Mit der Kindergarten- oder Schulzeit beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Noch niemals zuvor hat das Kind so viele neue Menschen kennengelernt und es wird sich künftig sehr lange Zeit an einem Ort außerhalb des vertrauten heimischen Umfeldes aufhalten.

Auch hier gilt, dass eine kreativer und sensibler Umgang mit Angst bei Kindern die besten Erfolge zeigt. Eltern sollten ihren Kindern Mut machen, dem Ereignis selbst mit einem guten Gefühl entgegenblicken und den Beginn für das Kind angenehm gestalten.

Bei starken Trennungsängsten helfen Gespräche mit den Lehrern. Das vorherige Begehen und Besichtigen der Räumlichkeiten und ein Treffen mit den Pädagogen. Manche Kindergärten und Schulen veranstalten extra zu diesem Zweck Vortreffen oder Tage der offenen Tür.

Was tun, wenn mein Kind Angst vor der Schule hat? – YouTube

Pädagogischer Umgang mit Angst: Was können LehrerInnen tun, wenn Kinder in ihrer Klasse Ängste haben?

Neben der Arbeit mit einzelnen Kindern, die ängstlich sind, wäre es für Pädagogen allgemein dienlich, mit dem Thema Angst umzugehen.

Ängste gehören bei vielen Schülern zum Alltag dazu (vor anderen Schülern/Lehrern, Versagen usw.) und dürfen nicht tabuisiert werden.

Der pädagogische Umgang mit Angst kann Rollen- und Verständnisspiele sowie Bewältigungsstrategien enthalten.

Zeigen einzelne Schüler eine übertriebene oder auffallende Angst, müssen Pädagogen sich einfühlsam verhalten. Gegebenenfalls helfen Gespräche mit dem Schüler selbst, den Eltern oder mit einem Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen.

Umgang mit Kinderängsten: Medikamente und Beruhigungsmittel

Kinder sollten nur im äußersten Notfall Medikamente gegen Angst bekommen. Erst wenn es sich um heftige Angststörungen Symptome handelt, verordnen Ärzte auch bei Kindern Beruhigungsmittel. Dies darf aber nur ein kurzzeitiger Zustand sein und die Angst muss baldmöglichst professionell therapiert werden.

Bei leichten Ängsten oder Unsicherheiten eignen sich pflanzliche Mittel. Auf dem Markt gibt es einige Bachblütenmischungen und Globuli gegen Ängste bei Kindern.

Umgang mit Angst bei Kindern (© Tomsickova / stock.adobe.com)

Quellen: