Panikattacke beim Aufwachen

Panikattacke beim Aufwachen (© stokkete / stock.adobe.com)

Panikattacke beim Aufwachen: Gründe, und was kann ich tun?

Kaum ist der Morgen angebrochen und das Bewusstsein wach, steigen in Betroffenen seltsame Gefühle auf. Manche spüren Herzrasen, Übelkeit und Atemnot. Andere liegen wie gelähmt im Bett oder quälende Gedanken rauben jede Lust, in den Tag zu starten. Schlimmstenfalls münden diese Erscheinungen in eine Panikattacke beim Aufwachen oder kurz nach dem Aufstehen.

Panik am Morgen, was sind die Ursachen?

Morgens schon von Ängsten und Panikattacken heimgesucht zu werden, ist ein gar nicht so seltenes Phänomen.

Nach dem Schlaf braucht das Bewusstsein eine Weile, bis es den Wachzustand erreicht. Davor stehen mehrere Phasen des Aufwachens.

Manche Menschen erleben die Momente, in denen sie die Orientierung noch nicht so richtig wiedererlangt haben, ganz bewusst. Zunächst fehlt noch die Erinnerung daran, wer man ist, was am Vortag geschehen ist oder wie die eigenen Lebensumstände aussehen.

Diese Erinnerungen und Identifikationen setzen schlagartig ein: Sorgen und Probleme können wie ein Tsunami über einen gerade erwachten Menschen hereinbrechen.

Doch das ist nur ein Beispiel. Andere Menschen wachen eher mit einem subtil üblen Gefühl in der Magengegend auf, fühlen sich schlecht und bekommen die Panikattacke scheinbar aus heiterem Himmel.

Sehr viele Menschen, die bereits am Morgen eine Panikattacke erleben, kennen diese begleitenden Probleme:

  • Magenprobleme
  • Schwindel und Übelkeit beim Aufstehen
  • Schwere, steife, wie gelähmte Glieder
  • Blähungen
  • Gedankenkreisen
  • Appetitlosigkeit

Viele Betroffene haben ihre Angst oder ihren Unwillen, in den Tag zu starten, irgendwie im Griff. Bei anderen spitzen sich die Symptome zu und entladen sich in einer Panikattacke:

  • Beklemmungen
  • angstvolle Gedanken
  • Panik
  • Atemprobleme
  • Herzrasen
  • erhöhter Blutdruck (vgl. Panikattacke Blutdruck)
  • Schwindel
  • Orientierungslosigkeit
  • Mundtrockenheit
  • kalter Schweiß
  • Todesangst.

Schlimmstenfalls endet eine Panikattacke in heftigen körperlichen Symptomen, die einem Herzinfarkt gleichen können. Manche Betroffene reagieren zusätzlich mit Wut und Fluchttendenzen, was bedeutet, dass sie sich bewegen oder den Stress irgendwie abreagieren müssen.

Die Gründe hinter der Panik beim Aufwachen

Eine Panikstörung entsteht in der Regel durch Stress, dauernde oder zeitweise Überforderung, zu viel Druck, Reizüberflutung, Vorerkrankungen, Traumata und psychische Störungen (Posttraumatische Belastungsstörung).

An der Entstehung sowie der Aufrechterhaltung der Angststörung sind unter anderem Stresshormone beteiligt:

  • Adrenalin
  • Cortisol
  • Noradrenalin.

Dass Angststörungen morgens so präsent sind, hat mit einem Effekt zu tun, den Wissenschaftler „Cortisol Awakening Response“ (CAR) nennen.

Neben seiner Eigenschaft als Stresshormon ist Cortisol eine starke Stimulanz, die den Körper morgens in den Wachzustand bringt.

Bei Stress und chronischer Überforderung haben Betroffene meist rund um die Uhr zu viel Cortisol im Körper. Dieser Umstand verursacht Symptome wie Nervosität und Überreaktionen den ganzen Tag und auch die Nacht über. Häufig ist Cortisol auch maßgeblich für Ein- und Durchschlafprobleme verantwortlich.

Gesellt sich dann beim Aufwachen noch der morgendliche Cortisol-Schub (wird unter anderem vom Tageslicht ausgelöst) zu der Übermenge, die sowieso schon im Körper ist, bekommt eine Panikstörung fatalen Treibstoff. Selbst Symptome wie Herzrasen, Probleme mit der Atmung und ein übles Gefühl, die nicht in Verbindung mit einer Angststörung auftauchen, können mit der Cortisol Awakening Response zu tun haben.

Wer mehr über Cortisol, die Wirkungen und Möglichkeiten zur Reduzierung des Stresshormons erfahren möchte, findet diese Informationen in einem Beitrag von Dr. Thiemo Osterhaus (Arzt und Experte für ganzheitliche Gesundheit):

Die Beteiligung diverser Ängste

Beim Aufwachen und am Morgen kann bei Betroffenen ein Zusammenspiel diverser Ängste und Angststörungen beobachtet werden:

  • Versagensängste – den Tag und die Herausforderungen nicht bewältigen können. Vgl. exemplarisch: Angst vor Fahrprüfung
  • Verlustängste – durch Fehler und Versagen den Job, den Partner oder Geld zu verlieren.
  • Zeitängste – Termindruck, nicht genug Lebenszeit zu haben, zu spät zu kommen.
  • Performanceängste – der Druck, anderen gefallen zu müssen, jemand zu sein, der man nicht ist. Vgl. auch: Angst vor dem ersten Arbeitstag.
  • Angst vor dem Chef – Angststörung, die an Autoritäten und Führungspersönlichkeiten gekoppelt ist.
  • Prüfungsangst – Panikstörung rund um das Versagen in herausfordernden Situationen.
  • Depressionen – allgemeine Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Lustlosigkeit, vitale Lähmung. Siehe Depressionsarten Liste.

Schaut man sich den Alltag vieler Menschen an und betrachtet, was in manchen Berufszweigen und Familien los ist, so wundert es nicht, dass immer mehr Menschen unter Ängsten leiden.

Durch die Arbeitsmarktsituation, knallharte Anforderungen in bestimmten Sparten und Firmen, wenig sozialen Arbeitsbedingungen und gleichzeitig steigenden Kosten sowie wirtschaftliche Unsicherheiten nehmen Ängste sprunghaft zu.

Ständiger Leistungs- und Termindruck, Konkurrenzsituationen im Job und die alltägliche Reizüberflutung kurbeln diese Mechanismen weiter an.

Auch innerhalb von Familien oder in Partnerschaften gibt es Stress- und Konfliktsituationen oder der berufliche Stress belastet das Privatleben. Dazu gesellen sich Schulstress der Kinder, Erziehungsstress und sozialer Druck.

Wenn die Angst abgetan wird

Häufig ist es Betroffenen nicht bewusst, dass sie unter Angst leiden. Das Wort alleine reicht schon, um Vermeidungsmechanismen auszulösen.

Symptome wie diese sprechen für schleichende Stresserkrankungen oder versteckte Ängste:

  • körperliche Verspannungen
  • viel Denken, Zweifeln, Grübeln, Sorgen
  • Hektik den Tag über
  • Gereiztheit und Übersensibilität
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Tinnitus
  • schlechter Schlaf
  • Kieferklemmen und Bruxismus nachts und am Tag
  • Pavor nocturnus (erschrockenes Aufwachen kurz nach dem Einschlafen)

Panikattacken beim Aufwachen: Selbsthilfe

Wer einmal oder ab und zu eine Attacke von Angst und Stress am Morgen erlebt, sollte bald versuchen, diese Überreaktionen abzufangen. Dasselbe gilt, wenn nachts oder vor dem Einschlafen Probleme auftauchen.

Wer frühzeitig reagiert, kann weitere Erkrankungen und die Ausbildung einer Störung einer vermeiden.

Zunächst einmal ist es wichtig, den eigenen Überforderungs- und Überlastungsstatus zu überprüfen:

  • Erlebe ich gerade eine besonders herausfordernde/belastende Zeit?
  • Gibt es ein Thema oder mehrere Themen, die mich beschäftigen?
  • Habe ich eine Druck- oder Konkurrenzsituation oder Leistungsstress am Arbeitsplatz?
  • Gibt es in der Familie oder der Partnerschaft Probleme?

Durch ein morgendliches Aufwachtagebuch werden Gedanken und Emotionen, nächtliche Träume und nervösen Aufwachphasen während des Schlafes bewusst.

Nicht immer lassen sich alle Umstände wie der Job, die Familie oder auch ein Lebensumfeld so einfach ändern. Trotzdem sind gewisse Anpassungen der eigenen Geisteshaltung (Mindset) gegenüber Problemen und der Lebenssituation immer möglich.

In der Selbsthilfe sind viele Techniken der Persönlichkeitsentwicklung sowie Meditation, Achtsamkeit, Zielfindungstechniken und emotionale Bewusstwerdungen gute Helfer.

Fast jeder hat innerhalb seines Tagesablaufes die Möglichkeit, neue Abläufe zu integrieren und festgefahrene Wege durch neue zu ersetzen. Schon kleine Änderungen in den morgendlichen Routinen (oder am Abend) können das Gehirn aus Reaktionsmustern holen, die wie Einbahnstraßen funktionieren:

  • Sofort nach dem Aufwachen ein Glas Wasser trinken.
  • Drei tiefe Atemzüge am geöffneten Fenster nehmen.
  • Zähne mit der ungewohnten Hand putzen.
  • Etwas anderes Frühstücken (bei Angst am besten auf Koffein verzichten).
  • usw.

Abends sollten Betroffene von Angst und Panik am Morgen auf Reizüberflutungen oder zu viel Blaulicht (sorgt für die Ausschüttung von Cortisol) verzichten.

Sind Grübeln und Sorgen so schlimm, dass das Einschlafen schwerfällt oder haben Panikattacken in der Nacht zu einer regelrechten Angst vor dem Einschlafen geführt (siehe auch: Angst vorm Einschlafen überwinden), lohnt es sich, abends Entspannungstechniken einzuführen, einen Spaziergang vor dem Zubettgehen zu machen und Alkohol wegzulassen.

Panikattacke beim Aufwachen (© stokkete / stock.adobe.com)
Panikattacke beim Aufwachen (© stokkete / stock.adobe.com)

Was tun bei Panikattacken am Morgen?

Haben Ängste in Verbindung mit der Zeit, Leistungsdruck oder dem eigenen Bestehen in der Welt so sehr zugenommen, dass Panikattacken am Morgen die Regel sind, sollten Betroffene unbedingt eine Therapie in Anspruch nehmen.

Die Psychotherapie arbeitet mit Bewusstwerdungstechniken, Verhaltenstherapie, Traumauflösung und der Etablierung neuer Denkweisen.

Medikamente können helfen, werden in der Praxis aber meistens so weit wie möglich vermieden, um den Körper nicht noch mehr zu überreizen. Medikamente, die angstlösend, beruhigend und entspannend wirken (Beruhigungstabletten) haben meistens auch nicht unerhebliche Nachteile und Nebenwirkungen.

Oft können auch mit homöopathischen Mitteln (Globuli gegen Panik), Bachblüten oder Cannabidiol (CBD) sehr gute Ergebnisse erzielt werden.

Siehe auch im Kontext des Themas „Panikattacke beim Aufwachen“: Was kann ich gegen Angst tun? und Keine Ängste mehr haben.