Wann sollte man zum Psychologen gehen?

Wann sollte man zum Psychologen gehen? (© zinkevych / stock.adobe.com)
Wann sollte man zum Psychologen gehen? (© zinkevych / stock.adobe.com)

Die meisten Menschen geraten mindestens einmal im Leben in eine existenzielle seelische Krise. Diese kann durch den Tod eines nahen Anverwandten oder eines Kindes, durch eine Scheidung oder ein traumatisches Erlebnis wie einen schweren Unfall ausgelöst werden. Solche Erlebnisse sind aus eigener Kraft oft schwer zu bewältigen. Ab wann man zum Psychologen gehen sollte, entscheidet meist der Leidensdruck.

Wenn der Betroffene sich Zeit für die Verarbeitung nimmt, ein hilfreiches soziales Umfeld hat und über stabile psychische Grundlagen verfügt, kann er sich nach einer Weile wieder fangen. Oft suchen Betroffene sich eine Trauergruppe oder schließen sich einer Selbsthilfegruppe an. In anderen Fällen ist eine Psychotherapie (oft in Form einer Verhaltenstherapie) sinnvoller. Psychische Probleme und innere Konflikte können das Leben von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen schwer belasten. Sie mindern die Lebensqualität, oft auch die Leistungskraft.



Ab wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Wann sollte man zum Psychologen gehen? Viele Menschen haben Angst davor, als psychisch krank abgestempelt zu werden. Fast die Hälfte der Bevölkerung nutzt jedoch im Laufe ihres Lebens die Hilfe eines Therapeuten. Die Gründe dafür sind individuell verschieden. Wann man zum Psychologen gehen sollte, entscheidet im Zweifelsfall der Hausarzt. Die Behandlung ist kürzer und effektiver, wenn sie möglichst zeitnah eingeleitet wird. Leider sind mittlerweile lange Wartelisten bei allen Therapeuten zu beachten.

Wann man zum Psychologen gehen sollte und tatsächlich eine Behandlung erhält, ist also oft eine Frage des Terminkalenders vom Therapeuten. Wenn die Probleme zu gravierend werden, muss gegebenenfalls eine Einweisung in eine psychologische Ambulanz oder eine psychosomatische Klinik erwogen werden. Ab wann das notwendig wird, ist unterschiedlich. Bei Suizidgefahr muss jedoch sofort gehandelt werden.

Quellen:

  • youtube.com/watch?v=BqI6qCF3_oc
  • youtube.com/watch?v=1e1jnPlLPwc
  • zdf.de/nachrichten/panorama/corona-psychotherapie-therapieplaetze-100.html
  • bptk.de/rund-20-wochen-wartezeit-auf-psychotherapeutische-behandlung/
  • pan-praxis.de/bis-die-psychotherapie-beginnt-10-tipps-um-die-wartezeit-zu-ueberbruecken/
  • ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Psychotherapie-Langes-Warten-auf-Hilfe,psychotherapie146.html

Wann ist Psychotherapie notwendig und sinnvoll?

Seelische Krisen sind oft Gratwanderungen. Die Betroffenen fühlen sich verzweifelt, traurig und deprimiert. Sie plagen sich vielleicht mit Schuldgefühlen, Depressionen oder inneren Anklagen. Viele Menschen fühlen sich als Opfer ungerechtfertigter Vorwürfe oder traumatischer Erlebnisse. Ihre Sichtweise ist es oft, dass die Verursacher und gefühlten „Täter“ der Krise glücklich und zufrieden weiterleben, während sie oft selbst jahrelang leiden.

In seinem Leiden kann man sich jedoch festfahren. Es führt oft zu einer Opferhaltung. Mit dieser Haltung gelingt es den Betroffenen nicht, neue Anfänge zu machen. In diesem Fall wäre eine Therapie bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten sinnvoll. Zu einem Psychiater geht man eher, wenn man tiefer liegende psychische Probleme wie Depressionen oder bipolare Störungen hat und auf die Verschreibung von Medikamenten (Psychopharmaka wie etwa Antidepressiva) angewiesen ist; reine „Psychologen“ dürfen nämlich keine Medikamente verschreiben, da sie nicht als „Ärzte“ gelten. Insofern ist bei Notwendigkeit der Verschreibung von Arzneimitteln dann ein Hausarzt und/oder Psychiater involviert. Und wer seine Ehe durch eine Zwangserkrankung, schwere Depressionen oder übermäßige Aggressionen ruiniert hat, ist bei einem Psychiater vielleicht besser aufgehoben.



Nur Psychiater und medizinische Psychotherapeuten sind ausgebildete Fachärzte. Im Unterschied zu Psychologen dürfen sie Antidepressiva oder angstlösende Medikamente verschreiben. Sie dürfen einen gewalttätigen Patienten in eine Anti-Aggressionstherapie schicken und ihm ein rezeptpflichtiges Beruhigungsmittel verschreiben. Ab wann die psychischen Belastungen und Probleme nach solchen Medikamenten verlangen, ist unterschiedlich.

Quellen:

  • psychotherapie-hohen-neuendorf.de/wann-therapie.html
  • psychologie-muenchen.de/therapie/lebenskrise/
  • traumatherapie-berlin.net/themen/lebenskrisen/
  • psychotherapie-neumuenster.de/sinnkrise/

Unterschiede zwischen Psychologen, Psychiatern und Psychotherapeuten

Die Unterschiede zwischen diesen drei Berufen sind beachtenswert. Sie beeinflussen auch die Entscheidung, bei wem man sich behandeln lassen darf und kann. Gemeinsam ist allen drei Feldern aber eines: die Beschäftigung mit der menschlichen Psyche.

Was definiert einen Psychologen?

Ein Psychologe hat Psychologie studiert. Nur mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium darf sich jemand als „Psychologe“ bezeichnen. Sein Thema ist das menschliche Erleben und das individuelle Verhalten. Die Psychologie befasst sich mit dem Teilbereich der klinischen Psychologie auch mit psychischen Erkrankungen.

Studierte Psychologen können im Anschluss an das Studium eine mehrjährige Ausbildung absolvieren. Durch diese können sie sich zum Psychologischen Psychotherapeuten oder zum Psychoanalytiker weiterentwickeln. Viele Psychologen behandeln aus guten Gründen keine psychisch kranken Menschen – zum Beispiel, weil sie nach ihrem Psychologiestudium keine psychotherapeutische Ausbildung absolviert haben.

Psychologen arbeiten in Beratungsstellen oder als Coach. In diesem Fall übernimmt die Krankenkasse keine Kosten für eine Beratung. Der Stundensatz eines Psychologen kann zwischen 50 und 200 Euro liegen. Um psychisch kranke Patienten behandeln zu können, muss im Anschluss an das Psychologiestudium zwingend eine weitere Ausbildung absolviert werden.

Achtung: Wer sich als „psychologischer Berater“ selbstständig macht, befindet sich mit dieser Berufsbezeichnung in einer Grauzone. Die Berufsbezeichnung ist nicht anerkannt. Sie setzt folglich keine bestimmte Qualifikation voraus.

Was definiert einen Psychotherapeuten?

Psychotherapeuten sind in unterschiedlichen Bereichen einzuordnen. Ärztliche Psychotherapeuten studieren in der Regel Medizin. Sie bilden sich anschließend zum „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ weiter. Psychologische Psychotherapeuten studieren stattdessen zunächst Psychologie. Danach absolvieren sie eine Ausbildung in „Psychologischer Psychotherapie“.

Danach dürfen beide gleichermaßen Patienten mit bewährten und anerkannten psychotherapeutischen Verfahren behandeln. Die gewählten Methoden und Verfahren hängen teils von der Art der Erkrankung ab. Teils spezialisieren sich die Behandler auf bestimmte therapeutische Verfahren.

Dank der unterschiedlichen Ausbildung, die ärztliche Psychotherapeuten und psychologische Psychotherapeuten absolviert haben, unterscheiden sie sich in einem wichtigen Punkt: Die psychologischen Psychotherapeuten dürfen keine Medikamente verordnen. Die ärztlichen Psychotherapeuten dürfen das jedoch wegen ihres Medizinstudiums. Um psychisch kranke Kinder und Jugendliche behandeln zu dürfen, werden bei den zuständigen Kammern ausgebildete Kinder- oder Jugendpsychotherapeuten zugelassen.

Zum Psychotherapeuten kommen Patienten, die psychische Probleme haben. Sie leiden an Ängsten, Zwängen, Depressionen, gesundheitlichen Störungen ohne erkennbare Ursache oder anhaltenden Schlafstörungen. Sie befinden sich in einer seelischen Krise oder Ausnahmesituation und brauchen Hilfe. Auch bei Aggressionen, anhaltenden Gefühlen der Überforderung oder extremen Stimmungsschwankungen ist der Psychotherapeut die richtige Adresse.

Bei einer entsprechenden Diagnose übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten der Therapie. Je nach Schwere der Erkrankung wird eine dem Krankheitsbild entsprechend Zahl an Sitzungen notwendig.

Was definiert einen Psychiater?

Ein Psychiater studiert zunächst Medizin. Nach dem Staatsexamen absolviert ein zusätzlich eine fünfjährige Weiterbildung. Diese umfasst klinisch-psychiatrische, psychotherapeutische und neurologische Studieninhalte, teils mit Praxisbezug. Im Anschluss dürfen die ausgebildeten Psychiater sowohl psychiatrische wie auch psychotherapeutische Verfahren anwenden. Ihre Berufsbezeichnung lautet nun „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“. Psychiater dürfen als ausgebildete Fachärzte Medikamente verordnen.

Einen Psychiater konsultieren Menschen wegen derselben Beschwerden, die sie auch von einem Psychotherapeuten behandeln lassen könnten. Der Hausarzt kann einem unsicheren oder ratlosen Patienten zum dem einen oder anderen raten. Entscheidend ist, dass der Patient dieser Person vertrauen kann und sich mit ihr wohlfühlt. Die Behandlungskosten der Therapie übernimmt bei einer entsprechenden Diagnose die zuständige Krankenkasse.

Quellen:

  • focus-arztsuche.de/magazin/therapien/unterschied-psychologe-psychiater-psychotherapeut
  • psychologie-studieren.de/berufe/unterschied-psychologe-psychotherapeut-psychiater/
  • stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/psyche-wohlbefinden/psychologe-psychiater-psychotherapeut
  • therapie.de/psyche/info/fragen/wichtigste-fragen/unterschied-psychotherapeut-psychologe-psychiater/

Existieren Alternativen zu diesen Möglichkeiten?

Heutzutage dürfen sich auch ausgebildete Heilpraktiker mit Psychotherapie befassen. Sie sind an einer entsprechenden Zusatzbezeichnung auf dem Praxisschild erkennbar. Man sollte die Fähigkeiten dieser Therapeuten jedoch nicht mit den Qualifikationen eines ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten gleichsetzen. Fakt ist jedoch, dass es auch unter den Heilpraktikern mit psychologischer Zusatzausbildung qualifizierte Personen gibt.

Die Interessenten an einer Therapie können meist am Lebenslauf eines therapeutisch arbeitenden Heilpraktikers ablesen, welche Ausbildungen und Zusatzausbildungen absolviert wurden. Es finden sich gelegentlich auch Heilpraktiker/innen, die ein Medizin- oder Psychologie-Studium absolviert haben, bevor sie die Heilpraktiker-Ausbindung angeschlossen haben. Eines ist jedoch anzumerken: Die Krankenkassen übernehmen auch dann keine Behandlungskosten. Die Therapie beim Heilpraktiker muss grundsätzlich selbst finanziert werden. Interessant kann die Behandlung bei einer Heilpraktikerin für Menschen sein, die eine Affinität zu Alternativmedizin haben.

Unter den psychologisch tätigen Heilpraktikern gibt es auch hochsensitive Behandlerinnen oder spezialisierte Trauma-Therapeuten. Jeder Patient sollte selbst entscheiden, welchem Therapeuten er seine Seelenleiden anvertraut. Auf eine solide Ausbildung sollte aber in jedem Fall geachtet werden. Das Erstgespräch, der Blick in den Lebenslauf und in die Ausbildungen sollte die Entscheidung erleichtern. Wer bei dem Gedanken an eine Therapie Angst spürt, könnte sich bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie wohler fühlen.

Quellen:

  • heilpraktiker.de/psychologie/therapien-und-verfahren
  • heilpraktiker-akademie.de/berufsbild-heilpraktiker-psychotherapie.html
  • ausbildung.de/berufe/heilpraktiker-psychotherapie/

Wann sollte mein Kind zum Psychotherapeuten gehen?

Auch bei Kindern und Jugendlichen taucht möglicherweise die Frage auf: Wann sollte man zum Psychologen gehen? Vgl. auch: Umgang mit Angst bei Kindern. Wenn es psychosomatische Störungen, innere Konflikte oder ungewöhnliche Symptome bei Kindern und Jugendlichen gibt, ist der Gang in die Sprechstunde eines Therapeuten oft sinnvoll.

Junge Menschen verfügen weder über die Resilienz noch die Strategien, um seelische Konflikte allein zu lösen. Sie verlieren oft das Gefühl für ihre eigenen Bedürfnisse. Beim Erstgespräch sollten Mutter und/oder Vater anwesend sein. Bei einer Familientherapie entscheidet der Therapeut, wer jeweils bei den Sitzungen anwesend sein soll. Wichtig ist aber, dass das Kind oder der Jugendliche seine inneren Konflikte erkennt und einer Behandlung zustimmt. Psychische Störungen und Erkrankungen im jungen Alter nehmen auch durch die Corona-Pandemie stark zu. Oftmals kommen zusätzlich Kinder geschiedener, gewalttätiger, drogensüchtiger, depressiver oder psychisch kranker Elternteile in die Sprechstunde.

Über die Therapieform wird entschieden, wenn das Erstgespräch auf die Schwierigkeiten und Probleme der Betroffenen schließen lässt. Leider ist inzwischen auch in der Kinderpsychotherapie inzwischen eine längere Wartezeit hinzunehmen. Je nach Ursachen und Erkrankungsbild wäre auch eine Klinik-Einweisung denkbar. Dort können die Therapien mit weiteren Methoden wie Kunsttherapie, Spieltherapie oder Bewegungstherapien ergänzt werden.

Kinder und Jugendliche werden nicht immer einer analytischen Psychoanalyse unterzogen. Sie erhalten meist eher eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie. Ihre Störungen können mehrere Sitzungen erfordern. Doch je früher die Symptome einer psychischen Störung erkannt wurden, desto effektiver können die Sitzungen zur Gesundung beitragen.

Wann sollte man zum Psychologen gehen? (© zinkevych / stock.adobe.com)
Wann sollte man zum Psychologen gehen? (© zinkevych / stock.adobe.com)

Quellen:

  • psychoanalyse-muenchen.de/analytische-kinder-und-jugendpsychotherapie
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie/therapie/psychotherapie/psychotherapeutische-verfahren/
  • angst-verstehen.de/kinderpsychotherapie-jugendlichenpsychotherapie/
  • therapie.de/psyche/info/index/diagnose/kinder-und-jugendliche/therapie/
  • eltern.de/kleinkind/entwicklung/kinder-therapie.html