Depression: Was tun als Partner?

Depression - was tun als Partner? (© jandruk / stock.adobe.com)
Depression - was tun als Partner? (© jandruk / stock.adobe.com)

Handeln Sie richtig im Umgang mit einem depressiven Partner

Wenn ein Partner an einer Depression erkrankt, wird das gesamte Umfeld in Mitleidenschaft gezogen. Nicht selten gelangen Angehörige an ihre emotionalen und körperlichen Grenzen. Sie versuchen nicht nur ihrem Partner alles abzunehmen, sondern verdrängen auch ihre eigenen Emotionen und Bedürfnisse. Gleichzeitig müssen sich die Partner ein dickes Fell zulegen, um nicht in den Sog der Niedergeschlagenheit und Todessehnsucht hineingezogen zu werden.

Was Sie als Partner eines depressiven Menschen tun können und warum es wichtig ist, auch auf sich selber zu achten, erfahren Sie in diesem Artikel.



Was ist eine Depression?

Jeder von uns erlebt einmal Phasen, in denen es uns nicht so gut geht. Gedrückte Stimmung oder Melancholie können als Folge eines bestimmten Ereignisses auftreten und ist eine normale Entwicklung unseres Lebens. Diese Phasen gehen irgendwann vorbei, sobald wir die Probleme bewältigt haben. Bei einer Depression ist das nicht der Fall: Das Gefühl der Niedergeschlagenheit hält über einen langen Zeitraum an und bedarf einer Psychotherapie.

Durch welche Symptome äußert sich eine Depression?

Betroffene fallen in ein tiefes Loch der Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit. Sie kommen nachts nicht zur Ruhe, weil sie von ihren negativen Gedanken verfolgt werden, wodurch Schlafstörungen entstehen. Die Antriebslosigkeit äußert sich durch die Unfähigkeit, selbst einfache Tätigkeiten auszuführen. Ihnen erscheint alles gleichgültig und Gefühle sind wie „betäubt“. Dadurch sind Sie unfähig, Gefühle wie Verbundenheit, Zuneigung und Liebe gegenüber dem Partner zu empfinden.


Sonderformen der Depression:


Symptome wie Hoffnungslosigkeit oder Antriebslosigkeit fallen bei einer agitierten Depression weg. Kennzeichen sind Rastlosigkeit und ein übersteigerter Bewegungsdrang. Durch dieses Verhalten werden die Gefühle der Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit unterdrückt. Leiden Betroffene an dieser Form der Depression, lässt sich diese durch den Aktionismus schwerer erkennen und auch Betroffene selber sehen nur selten die Notwendigkeit, einen Arzt zu konsultieren.

Die larvierte Depression wird oft auch als maskierte Depression bezeichnet. Die Symptome machen sich rein auf körperlicher Ebene bemerkbar und verschleiern damit Gefühle wie Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit. Schmerzen im Kopf- oder Nackenbereich, Problem im Verdauungsbereich oder Herz- und Kreislaufprobleme sind keine seltenen Erscheinungen, bleiben aber meist ohne Befund.

Eine reaktive Depression hat einen bestimmten Auslöser. Ein einschneidendes Erlebnis kann eine reaktive Depression hervorrufen. Die Erkrankung kann nach dieser Phase wieder abklingen oder aber direkt in einer chronischen Depression münden.

Das Leben mit einem depressiven Partner

Für Familienangehörige ist es nur schwer zu ertragen, wenn ein vormals lebenslustiger und ausgeglichener Mensch sich grundlegend verändert. Tätigkeiten, die Sie früher mit der Familie unternommen haben, fallen plötzlich weg und der Alltag wird bestimmt durch Sorgen, Ängste und Verzweiflung. Sind Kinder vorhanden, verstehen sie nicht, warum ihre Mama oder ihr Papa sie „nicht mehr liebhat,“ warum „er so viel schimpft“ oder „sie ständig im Bett liegt“. Als Angehöriger müssen Sie nicht nur mit Ihrer eigenen Gefühlswelt klarkommen, sondern auch Ihre Kinder emotional auffangen.

So verhalten Sie sich richtig

Akzeptieren Sie die Krankheit und setzen Sie sich mit der Krankheit auseinander

Leidet ein Partner an einer Depression, zieht das auch den anderen mit hinein. Unwissenheit und mangelnde Informationen über das Krankheitsbild können dazu führen, dass Sie sich im Alltag falsch verhalten. Eine Depression ist keine Charakterschwäche oder eine Laune des Partners, die nach einer Zeit wieder verschwindet. Wichtig ist, dass Sie sich ausführlich mit dem Krankheitsbild der Depression auseinandersetzen und die Krankheit akzeptieren. Dadurch lernen Sie nicht nur selber mit den Verhaltensmustern Ihres Partners besser umzugehen, sondern dieses Wissen verleiht Ihnen auch ein Stück Sicherheit. Sie wissen, dass sein Verhalten und seine Äußerungen nichts mit Ihnen zu tun haben, sondern durch die Krankheit verursacht wird.

Wenn Sie Kinder haben, sollten Sie (je nach Alter Ihrer Kinder) auch Ihre Kinder aufklären. Kinder könnten leicht das Gefühl bekommen, dass sie etwas falsch gemacht haben oder der Papa bzw. die Mama böse auf sie seien. Diese Last müssen Sie Ihren Kindern unbedingt nehmen, um traumatische Entwicklungen zu verhindern.

Bieten Sie dem Betroffenen Ihre Unterstützung an

Haben Sie den Verdacht, Ihr Partner könnte an einer Depression erkrankt sein, suchen Sie das Gespräch mit ihm und suchen Sie sich professionelle Unterstützung. Erkrankten fehlt oft die Kraft, einen Termin beim Arzt oder Therapeuten zu vereinbaren – übernehmen Sie das für Ihren Partner. Treffen Sie aber keine Entscheidung hinter seinem Rücken, sondern beziehen Sie ihn bei allen Entscheidungen und Prozessen mit ein.

Wird Ihr Partner mit Antidepressiva behandelt, achten Sie darauf, dass diese von ihm auch regelmäßig eingenommen werden. Betroffene neigen dazu, die Einnahme von Medikamenten zu „vergessen“, was schnell zu einem emotionalen Absturz führen kann. Neben der medikamentösen Behandlung durch Psychopharmaka sollte auch eine psychotherapeutische Behandlung anvisiert werden.

Reden Sie mit Ihrem Partner offen über die Depression. Verdeutlichen Sie ihm, dass es sich dabei um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, die therapierbar ist. Auch wenn er es im Augenblick für nicht notwendig erachtet, auf sich selbst zu schauen, versuchen Sie ihm klarzumachen, dass diese Reaktion von der Depression herrührt.

Spielen Sie nicht den Ersatztherapeuten

Depressive Personen leben in einer eigenen Welt und haben hohe Mauern um sich herum errichtet, die Außenstehende nur schwer durchbrechen können. Außenstehende können nicht nachvollziehen, wie es ist, in einer Welt zu leben, die von Dunkelheit dominiert wird. Betroffene fühlen sich gefangen in einem Strudel der negativen Gedanken und der zunehmenden Hoffnungslosigkeit.

Sie sind überzeugt davon, dass Sie für den Partner nur eine Last sind und diese besser ohne sie dran wären. In ihren Augen verursachen sie kein Leid, wenn sie den Freitod wählen, sondern befreien die Umwelt. Angehörige kommen in dieser Situation nur schwer an die Betroffenen an, da diese rigoros alle Unterstützung ablehnen und Sie an den Rand der Verzweiflung bringen.

Es spricht nichts dagegen, dem Partner zur Seite zu stehen und zuzuhören. Das darf aber nicht so weit führen, dass er sich professioneller Hilfe verweigert und sich stattdessen Ihnen anvertraut. Sie sind nicht sein Therapeut und müssen diese Verantwortung auch nicht übernehmen!

Sie können auch erwägen, Ihrem Partner einen Hund zu besorgen. Es gibt spezielle Therapiehunde, die für den Umgang mit Erkrankten ausgebildet wurden und bei der Behandlung von Depressionen häufig zum Einsatz kommen (siehe Therapiehund Depression). Ein Hund stärkt das Selbstwertgefühl von betroffenen Personen und hat eine Stress-lösende und beruhigende Wirkung auf Patienten.

Lassen Sie Ihre Gefühle zu

Auch Angehörige erleben in der Beziehung mit einem depressiven Partner eine Achterbahn der Gefühle. Steht die Diagnose fest, plagen Angehörige massive Schuldgefühle: Es ist meine Schuld! Ich habe etwas getan, dass die Depression ausgelöst hat! Habe ich etwas gesagt oder getan, was die Depression hervorgerufen hat? Vielleicht hätte ich mich mehr um meinen Partner kümmern müssen? Hinzu kommen massive Selbstzweifel, die daher rühren, dass sich der Partner gegenüber Freunden und der Familie ganz normal verhält – eine Fassade, die erst in der Zweisamkeit zerbricht. Von Angehörigen wird dieses Verhalten oft falsch verstanden und als Zurückweisung interpretiert.

Nach anfänglichem Verständnis und Rücksichtnahme kommen auch Wut und Trauer hinzu. Wut auf Ihren Partner, Wut auf die Krankheit, die das ganze Familienleben zerstört und Trauer, weil nichts mehr so ist, wie es einmal war. Partner von depressiven Personen glauben, dass Sie kein Recht dazu hätten, diese Gefühle zuzulassen und versuchen diese zu unterdrücken. Eine Depression belastet aber nicht nur den Betroffenen, sondern zieht auch die unmittelbare Umgebung in Mitleidenschaft. Es ist völlig legitim, sich erschöpft, ausgelaugt, verzweifelt und ohnmächtig zu fühlen. Auch positive Gefühle wie Freude und Ausgelassenheit dürfen Sie zulassen. Die Depression Ihres Partners spricht Ihnen nicht das Recht ab, Freude empfinden zu dürfen.

Seien Sie geduldig und verzichten Sie auf Ratschläge

Ihrem Partner wird es nicht besser gehen, wenn Sie mit ihm in Urlaub fahren. Im Gegenteil: Reißen Sie Ihren Partner aus der gewohnten Umgebung kann das die Depression sogar verstärken. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, ihm Ratschläge zu erteilen wie „Jetzt reiß dich doch einmal zusammen“, oder „Du kannst es, wenn du nur willst“. Das Problem ist, dass er es nicht kann. Eine Depression hat nichts mit der Willenskraft zu tun.

Geduld aufzubringen ist die schwerste Aufgabe als gesunder Partner. Oft reicht ein falsches Wort oder gar die falsche Betonung eines Wortes, um den Partner zu verletzen. Verzweifeln Sie nicht, auch wenn Sie sich jedes Wort gut überlegen müssen. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Ihr Partner Ihnen seine Zuneigung nicht zeigen kann oder Ihnen zu verstehen gibt, dass Sie ihm gleichgültig sind. Selbst wenn Ihr Partner zur verbalen Aggressivität neigt oder Sie demütigt – es ist nicht gegen Sie gerichtet. Es ist die Depression, die dieses Verhalten hervorruft. Zeigen Sie Verständnis und nehmen Sie auf ihn Rücksicht.

Nehmen Sie Ihrem Partner nicht alles ab

Sie möchten Ihren Partner unterstützen und so viele Tätigkeiten wie möglich abnehmen? Das ist verständlich, aber dabei sollten Sie es nicht übertreiben. Depressive Menschen leiden an einem stark reduzierten Selbstwertgefühl. Sie fühlen sich wertlos und sind der Überzeugung, dass auch die Partner besser ohne sie dran wären. Nehmen Sie in dieser Phase Ihrem Partner sämtliche Aufgaben ab, wird dieses Gefühl noch verstärkt. Übertragen Sie ihm ruhig kleinere Aktivitäten. Dadurch bekommt Ihr Partner das Gefühl, noch „von Nutzen“ zu sein oder eine Funktion zu erfüllen.

Nehmen Sie Suizidgedanken ernst

Angehörige von Depressiven haben oft sehr feine Antennen. Sie spüren sofort, wenn sich die Stimmung Ihres Partners verschlechtert und er sich in einem Tiefpunkt befindet. Seien Sie wachsam und ergreifen Sie Maßnahmen, wenn sich Ihr Partner den Freitod wünscht.

Nehmen Sie solche Äußerungen ernst und sprechen Sie mit Ihrem Partner über dessen Gefühle. Achten Sie aber auch auf sich und Ihre Bedürfnisse und holen Sie sich rechtzeitig professionelle Hilfe. Gerade wenn der Partner schildert, auf welche Weise er sich umbringen möchte, ist das eine Belastung, die nicht zu unterschätzen ist. Damit Sie auf der Arbeit oder außer Haus ruhigen Gewissens die Zeit verbringen können, sollte Ihr Partner eine stationäre Einrichtung aufsuchen. Siehe: Selbst einweisen.

Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse

Denken Sie auch an sich! Es erfordert viel Kraft, den eigenen Partner in dieser Phase zu begleiten und zu unterstützen. Angehörige können damit leicht in den Sog der Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit hineingezogen werden. Damit gesunde Partner von der Depression nicht „angesteckt“ werden, ist es notwendig, die eigenen Batterien regelmäßig aufzuladen und eigene Bedürfnisse auszuleben.

Schützen Sie Ihre Kinder

Sind Kinder vorhanden, ist eine Depression besonders problematisch. In diesem Fall müssen Sie nicht nur für Ihren Partner, sondern auch für Ihre Kinder da sein. Ein depressiver Partner ist nicht in der Lage, auf die Bedürfnisse von Kindern Rücksicht zu nehmen. Das bedeutet: Kinder könnten Panik- / Angstattacken, Weinkrämpfe oder Konflikte miterleben. Das kann zu traumatischen Konsequenzen führen. Äußert der Partner gar Suizidgedanken in Anwesenheit von Kindern, kann das dazu führen, dass auch Schuldgefühle bei Kindern entstehen. Ist die Lage in der Partnerschaft mit Kindern problematisch, sollten Sie eine räumliche Trennung erwägen oder einen stationären Aufenthalt des Partners ins Auge fassen.

Trennung vom depressiven Partner

Partnerschaftskonflikte und Trennungen infolge der Depression sind keine Seltenheit. Der Umgang mit einer ständig präsenten Niedergeschlagenheit, Leere, Hoffnungslosigkeit und Todessehnsucht kann zu einer völligen Entfremdung führen. Eine Trennung ist oft die einzige Möglichkeit, um Kinder zu schützen und für die Kleinsten wieder ein Stück Normalität ins Leben zurückzuholen.

Viele Angehörige wagen den Schritt nicht, weil Sie befürchten, den kranken Partner direkt in den Suizid zu schicken. Hinzu kommen Schuldgefühle: Ist es nicht egoistisch von mir, meinen Partner dann zu verlassen, wenn er mich am meisten benötigt? Wir hatten auch schöne Zeiten, vielleicht wird er wieder wie früher? Wenn ich mich jetzt trenne, bin ich schuld daran, wenn es ihm schlechter geht? Führt eine Trennung nicht zu einer größeren Hoffnungslosigkeit?

Viele Angehörige in dieser Lage haben schon einen langen Kampf hinter sich. Sie sind ihrem Partner beiseite gestanden, haben ihn ermutigt, ihm Trost gespendet und die Verantwortung übernommen. Sind Angehörige kontinuierlich negativen Stimmungen in der Beziehung ausgesetzt, bleibt das nicht ohne Wirkung. Um nicht angesteckt zu werden, sollten Partner rechtzeitig die Reißleine ziehen, um sich und eventuell die Kinder zu schützen. Möchten Sie diesen Schritt gehen, sollten Sie diese Entscheidung dem Therapeuten und dem Umfeld mitteilen!

Fazit:

Eine Depression ist eine lebensgefährliche Erkrankung, die das gesamte Umfeld in Mitleidenschaft zieht. Besonders betroffen sind die nächsten Angehörigen wie der Partner und Kinder. In dieser schwierigen Phase ist es wichtig, dass Sie sich ausführlich über die Krankheit informieren. Falsche Verhaltensweisen sind oft auf mangelnde Informationen zurückzuführen. Sind Angehörige ausreichend informiert, können sie nicht nur Fehler im Umgang mit dem Partner vermeiden, sondern auch die Reaktionen des Partners richtig einordnen. Neben der Verantwortung und Empathie gegenüber dem Partner dürfen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse nicht außer Acht lassen. Isolieren Sie sich nicht und leben Sie Ihre Gefühle aus. Sie können nur Ihre Akkus wieder aufladen, wenn Sie auch Ihren Bedürfnissen nachgehen können.

Depression, was tun als Partner? | Quellen:

  • flexikon.doccheck.com/de/Larvierte_Depression
  • www.psychisch-erkrankt.de/agitation/ursachen-verlauf/depression/
  • oberbergkliniken.de/krankheitsbilder/depression

Weiterführende Literatur:

  • Die Liebe in dunklen Zeiten (Alina Bach)
  • Morgen ist leider auch noch ein Tag: Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet (Tobi Katze)

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