F41.2 Diagnose erläutert

Diagnose F41.2 ICD10 - Angst und depressive Störungen (© Good Studio / stock.adobe.com)
Diagnose F41.2 ICD10 - Angst und depressive Störungen (© Good Studio / stock.adobe.com)

Bedeutung der Diagnose F41.2 laut ICD 10

Was die Diagnose F41.2 für den Betroffenen bedeutet, ist individuell sehr verschieden. Für manche Betroffenen bedeutet die Diagnose F 41.2 eine Erleichterung, weil ihnen Hilfe angeboten wird. Für andere ist diese Diagnose ein Schock. Psychisch krank zu sein, nehmen viele Menschen als Stigma wahr. Sie würden lieber wegen körperlicher Symptome behandelt werden.

Für den behandelnden Arzt bedeutet diese Diagnose zunächst eine Festlegung auf die Kennziffer F41.2 gemäß dem ICD-10. Da es seit 2018 aber bereits eine revidierte Fassung des ICD-10 gibt – nämlich das ICD-11 – soll der Vollständigkeit halber die dortige Kennzahl für gemischte depressive und Angststörungen genannt werden: 6A73.



Angst und Depressionen im Zusammenwirken

Im ICD-10 werden unter der Kennziffer F41.2 Angst und depressive Störungen geführt, die in gemischter Form vorliegen. Unter der zuordnenden Kennziffer 41 werden im ICD-10 weitere Angststörungen zusammengefasst. Die nachfolgende Ziffer 2 definiert die Ausprägungsart dieser Erkrankung, nämlich eine Mischung aus Angst und Depressionen. Offensichtlich ist das Gewicht beider in etwa gleich. Der Arzt kann aufgrund der ermittelten Beschwerden nicht entscheiden, was von beiden schwerer wiegt. Zwei separate Diagnosen werden in diesem Fall nur dann gestellt, wenn sowohl die Angst, als auch die Depressionen schwerwiegender Natur sind. Hier geht es eher um eine Durchmischung beider. Außerdem sind die geschilderten Beschwerden eher mild zu nennen.

Was nun von diesen beiden zuerst da war, lässt sich schwer sagen. Haben die Depressionen zu Angst geführt – oder war es vielmehr umgekehrt? Fachleute sind meist der Ansicht, dass es zunächst ein Angstproblem gegeben hat. Da diese Art der Probleme oft nicht erkannt wird, und zudem somatische Störungen nach sich ziehen kann, wird sie oft lange Zeit nicht behandelt. Das kann mittelfristig Depressionen nach sich ziehen, weil die Ängste den Betroffenen zunehmen isolieren. Er kann oft bestimmte Dinge nicht mehr tun, sondern meidet sie. Er bricht oft soziale Kontakte ab und zieht sich zurück.

Die Depression wäre in diesem Fall als Komorbidität der Angststörung zu betrachten. Sie ist in ihrer Schwere der Angstproblematik ähnlich. Wenn die Betroffenen endlich dem Leidensdruck nachgeben und eine Behandlung erhalten, kommt dabei oft die Diagnose F 41.2 heraus.

Die Ursachen solcher Störungen

Laut dem Ärzteblatt haben Angststörungen haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht an Häufigkeit zugenommen. Ob man diese Aussagen nach dem Ende der Corona-Epidemie noch so treffen kann, ist aber fraglich.

Viele Menschen haben schon in den Anfangsphasen der Pandemie per Telefon psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Labile Menschen, aber auch andere, sind durch das Virus aus ihrem gewohnten Leben katapultiert worden. So mancher hat anschließend Ängste entwickelt. Nicht nur ging viel Geld verloren. Arbeitsplätze, die eben noch sicher zu sein scheinen, waren plötzlich gefährdet. Auch soziale Kontakte oder Urlaubsmöglichkeiten wurden dezimiert. Viele Menschen hatten mit Einsamkeit zu kämpfen. Kritische Situationen, die kein absehbares Ende haben, können Menschen ängstlich und depressiv machen. Ob diese Kombination immer Krankheitswert haben muss, ist zu hinterfragen. Auch die Dauer der Pandemie wird letztlich darüber entscheiden. Die verschiedenen Folgen von Covid-19 wird man erst in ein paar Jahren absehen können.

Angsterkrankungen lösen oft Phobien oder andere Angststörungen, Depressionen, somatoforme bzw. körperliche Störungen und Suchterkrankungen als Komorbidität aus. Ursächlich dafür sind nach heutiger Auffassung mehrere Faktoren. Es kann bei den Betroffenen bereits genetische und familiäre Vorbelastungen gegeben haben. Neurobiologische oder neuroendokrine Zusammenhänge spielen ergänzend ebenso oft eine Rolle, wie psychosoziale Faktoren. Fakt ist, dass etwa zwei Drittel der Betroffenen, die eine Depression haben, auch Angstsymptome aufweisen. Bei einem Drittel könnte eine Panikstörung diagnostiziert werden.

Im Umkehrschluss erleben viele Patienten, die wegen Angststörungen behandeln werden, auch depressive Phasen. Wenn nicht genau feststellbar ist, was überwiegt oder was ursächlich für die andere Störung war, ist die Diagnose F 41.2 gerechtfertigt. Hier handelt es sich um eine gemischte Störung. Bei dieser ist die Intensität beider Störungs-Komponenten etwa gleich. Keine von beiden übertrifft die andere an Intensität. Vielmehr ist es so, dass es sich bei diesen beiden Störungen um vergleichsweise milde Störungen handelt, die in der Bevölkerung häufig zu finden sind.

Die Diagnosestellung für F 41.2

Von Allgemeinmedizinern werden solche leichteren psychischen Störungen trotz gehäuften Vorkommens oft übersehen. Das Zusammenwirken beider Störungen kann die Lebensqualität der Betroffenen aber entscheidend verringern. Doch wegen eher milder psychischer Störungen geht wohl niemand zum Arzt. Die meisten Menschen verzeichnen im Laufe ihres Lebens solche milden Störungen. Diese entstehen oft situativ. Sie lösen sich von alleine wieder auf, wenn die kritische Situation sich wieder entspannt. Ein Krankheitswert ist bei solchen Störungen oft nicht festzustellen.

Die Betroffenen lassen aber möglicherweise ihre somatoformen Folgesymptome behandeln. Sie gegen beispielsweise wegen diffuser Schmerzen oder anderer körperlicher Symptome zum Hausarzt. Von depressiven Gedanken oder Ängsten ist dabei meist nicht die Rede. Da die Betroffenen selbst ihre Symptome nicht als durchmischte psychische Störung erkennen, besteht auf lange Sicht die Gefahr weiterer Komorbiditäten – zum Beispiel einer Alkoholabhängigkeit. In diesem Fall versuchen die Betroffenen, sich durch Alkohol ihrer Ängste und Depressionen zu entledigen. Auch andere Abhängigkeiten können aufgrund einer durchmischten Angst- und Depressions-Symptomatik entstehen. Möglicherweise sind viele Alkoholikerinnen, die erst im Alter zur Flasche greifen, von einer psychischen Störung wie F 41.2 betroffen.

Für die Diagnose F41.2 ist es notwendig, milde bis mittelschwere Angstsymptome und Depressionen festzustellen. Zusätzlich werden vom Arzt die beim Patienten vorliegenden körperlichen Beschwerden abgefragt – etwa Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittrigkeit, Bauchschmerzen oder Mundtrockenheit. Um die Diagnose F41.2 stellen zu können, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Der Terminus „gemischte Angst- und Depressionsstörung“ ist unter Fachleuten allerdings nicht unumstritten. Manche Fachleute bezweifeln die Relevanz dieser Diagnose. Andere Diagnoseschlüssel führen diese Störung daher nicht mehr. Im ICD-11 ist dieses Störungsbild jedoch weiterhin enthalten.

Für die Diagnose einer gemischten Angst- und depressiven Störung müssen folgende Kriterien vorliegen:

  • mindestens einen Monat lang eine depressive Stimmungslage (Dysphorie)
  • akute Reizbarkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsprobleme oder Gedächtnisstörungen
  • Schlafstörungen und Müdigkeit
  • intensive Grübel-Phasen und das permanente Wälzen von Sorgen
  • gesteigerte Weinerlichkeit
  • Hoffnungslosigkeit und Pessimismus
  • schwaches Selbstwertgefühl
  • Befürchtungen und Ahnungen über lauernde Gefahren
  • oder erhöhte Wachsamkeit.

Wenn mindestens vier der genannten Symptome zusätzlich zur Dysphorie zutreffen, ist die Diagnose F41.2 gemäß ICD-10 zu stellen. Nicht korrekt ist diese Diagnose jedoch, wenn neben der Angst- und erkennbaren depressiven Störungen Symptome eines regelmäßigen Alkohol- oder Arzneimittelkonsums, Substanzmissbrauchs oder einer anderen Erkrankung vorliegen – oder wenn die vorliegenden Symptome durch solche erklärbar sind.

Nicht erfüllt sind die Diagnosekriterien auch, wenn es sich um schwere Angststörungen und schwere Depressionen, um eine generalisierte Angststörung, eine affektive Störung oder eine klassische Phobie handelt. Deren Symptome könnten bereits auf dem Rückzug sein, wenn der Arzt den Patienten untersucht. Die geschilderten Beschwerden könnten daher milder ausfallen als zuvor, und deswegen als F41.2 fehlinterpretiert werden.

Die Behandlung solcher Störungen

Wie bereits erläutert, liegen bei der Diagnosestellung durchmischte Angst- und Depression-Symptome vor. Es kann jedoch im Krankheitsverlauf zu Phasen kommen, in denen einer der beiden Symptomkomplexe dominiert. Problematisch ist, dass solche Störungen ohne eine Behandlung leicht chronisch werden können. Kliniker behandeln die gemischte Angst- und depressiven Störung mit Psychotherapie plus Medikation. Bisher liegen zu dieser Diagnose kaum Studien zu therapeutischen Möglichkeiten und damit erzielbaren Erfolgen vor.

Die Behandlung mit der kognitiven Verhaltenstherapie soll die Symptom-Aktivierung reduzieren. Begleitend werden mit den Betroffenen entlastende und beruhigende Atem- und Entspannungstechniken eingeübt. Auch die Introspektion kann ein hilfreiches Element der Therapie sein. Auf pharmakologischer Ebene wird die durchmischte depressive und Angststörung meist mit Antidepressiva, Anxiolytica oder einer Kombination beider behandelt. Unter den Angstlösern scheinen Beobachtungen zufolge die Benzodiazepine am besten zu wirken. Es wurden aber auch schon Serotonin- und Dopamin-Regulatoren oder Antidepressiva (z. B. Serotonergika) erfolgreich ausprobiert.

Ziel der Behandlung ist es, die depressiv-ängstliche Gemütslage und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Der Patient soll lernen, besser mit sich umzugehen und Dinge zu vermeiden, die ihn ängstigen und deprimieren. Auch das bessere Verständnis der eigenen Störungen hat sich als hilfreicher Bestandteil der Therapie erwiesen. Die Patienten sollen durch die Behandlung in die Lage versetzt werden, wieder besser mit dem Leben und ihren emotionellen Reaktionen darauf zurecht zu kommen.

Zum Weiterlesen:

Diagnose F41.2 ICD10 - Angst und depressive Störungen (© Good Studio / stock.adobe.com)
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Quellen:

  • ängste.info/diagnose-f41-2
  • dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2018/block-f40-f48.htm
  • de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung
  • aerzteblatt.de/archiv/160932/Diagnostik-und-Therapieempfehlungen-bei-Angststoerungen
  • gedankenwelt.de/die-gemischte-angst-und-depressive-stoerung-definition-ursachen-und-behandlung/
  • therapie.de/psyche/info/index/diagnose/angst/angst-depression/
  • medikamente-per-klick.de/depressionen-und-angstzustaende
  • youtube.com/watch?v=an5zQHJbli0
  • youtube.com/watch?v=8hIQMb_Smzk
  • youtube.com/watch?v=i0lre1wVmZw

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