Angst vor tiefen Gewässern (Thalassophobie)

Angst vor tiefen Gewässern | Thalassophobie (© filou2206 / stock.adobe.com)
Angst vor tiefen Gewässern | Thalassophobie (© filou2206 / stock.adobe.com)

Thalassophobie – Angst vor tiefen Gewässern

Die Angst vor tiefen Gewässern ist eine recht häufige Phobie. Betroffene fürchten sich vor der Größe oder Unberechenbarkeit des Wassers und vor den unsichtbaren Dingen unter der Wasseroberfläche. Leichte Formen der Störung bedürfen in der Regel keiner Behandlung. In schweren Fällen helfen Verhaltenstherapie oder schrittweise Desensibilisierungen.



Wie nennt man die Angst vor tiefen Gewässern?

Die Angst vor der Tiefe des Meeres oder anderer Gewässer trägt den Fachbegriff Thalassophobie. – „Thálassa“ ist das griechische Wort für „Meer“ und „phóbos“ bedeutet „Furcht“.

Die Definition der Thalassophobie geht in der Praxis weit über die Angst vor dem Meer hinaus. Man nutzt den Begriff allgemein auch für die Angst vor großen, dunklen und tiefen Seen oder Wasserflächen allgemein. Oft fürchten sich Betroffene auch vor Fischen, Ungeheuern oder glitschigen Wassertieren, die auf dem Grund lauern können. Der Anblick eines großen Gewässers kann schon ausreichen, um Symptome auszulösen.

Was ist eine Thalassophobie genau?

Personen, die sich vor tiefem, Wasser, Ozeanen oder Seen fürchten zeigen verschieden stark ausgeprägte Symptome.

Leichte Formen gehen mit Unwohlsein oder Angstvorstellungen beim Schwimmen und Baden einher.

Symptome einer schweren Thalassophobie sind:

  • Beklemmungen
  • Aufregung
  • Herzrasen
  • Horrorvisionen
  • Wahnvorstellungen, dem Meer nicht entkommen zu können
  • Atemprobleme
  • ein starkes Bedürfnis zu fliehen.

Übernachten Thalassophobiker in Strandnähe oder mit Blick auf das Meer, können sich Schlafstörungen und permanentes Unwohlsein einstellen.

Gewisse Arten der Angst vor tiefen Gewässern gehen sogar so weit, dass Menschen ohne realen Grund Angstzustände bekommen. Das Wasser kann Betroffene in Träumen oder Angstvorstellungen, die sich tagsüber im Kopf manifestieren, zeigen. Diese Form ist aber sehr selten.

Wie entsteht die Angst vor tiefen Gewässern?

Die genauen Ursachen sind nicht bekannt oder können nicht verallgemeinert werden.

Manche Menschen haben diese Angst von klein auf, ohne dass es dafür einen besonderen Grund gab. Sie wollen schon im Kindesalter nicht in die Nähe von tiefen Gewässern oder fürchten große, dunkle See. Die Angst vor tiefen Gewässern kann eine Urangst sein. Früher konnten die meisten Menschen nicht schwimmen. Große Gewässer waren für die Menschen eine Gefahr, zu ertrinken. Diese Angst kann genetisch noch in uns stecken.

Typischerweise haben Kinder, die früh und unbekümmert Schwimmen lernen, später weniger Angst vor tiefem Wasser.

Manchmal sind eigene negative Erfahrungen verantwortlich. Ein Badeunfall oder der eines bekannten Menschen kann später Gefühle der Angst und Beklemmung in Verbindung mit Wasser auslösen.

Litten die Eltern oder ein Elternteil bereits an Thalassophobie ist es wahrscheinlicher, dass auch das Kind diese Angst übernimmt.

C.G. Jung und die Angst vor tiefen Gewässern

Der berühmte Schweizer Psychiater und Traumforscher Carl Gustav Jung brachte das Meer mit dem kollektiven Unterbewusstsein beziehungsweise dem Unbewussten oder Unbekannten allgemein in Verbindung.

Die menschliche Psyche oder Persönlichkeitsstruktur wird oft mit dem berühmten Eisberg verglichen. Unser Wachbewusstsein stellt nur die Spitze dar und der Rest befindet sich in der Tiefe des Wassers.

Im Grunde kann die Angst vor tiefen Gewässern also auch mit einer Angst vor dem Unbekannten oder psychischen Abgründen gleichgesetzt werden.

Gerade in Traum und Fantasiewelten begegnen uns Wesenheiten, die von allen Kulturen dieser Welt als gigantische Unterwassermonster, Seeschlangen oder heimtückische Nymphen dargestellt wurden.

Heute sind diese alten Ängste vor Monstern und Fabelwesen oftmals durch realere Ängste abgelöst worden. Fernsehdokumentation über bizarre Lebewesen in der Tiefsee oder reißerische Filme wie „Der weiße Hai“ haben der Menschheit neue Angstbilder beschert.

Weitere artverwandte Phobien

Recht verbreitet ist die Vorstellung oder Angst beim Baden von Fischen oder anderen Wassertieren berührt zu werden.

Die Angst vor Fischen teilt sich in zwei Gruppen: Die eine mag das Gefühl des Berührtwerdens im Wasser nicht. Dabei ist es egal, ob ein Mensch, Tier oder eine Pflanze den Körper streift oder berührt.

Die andere Gruppe leidet unter einer Ichthyophobie. Dieser Fachbegriff bezeichnet den Ekel vor Fischen an sich. Betroffene können keine Fische anfassen und empfinden Abscheu vor deren Aussehen, der glatten und glitschigen Haut oder dem Geruch.

Angst vor Haien ist in den allermeisten Fällen auf den bereits erwähnten Film oder Naturdokumentationen im Fernsehen zurückzuführen.

Was ist eine Aquaphobie?

Aquaphobie (seltener auch Hydrophobie) bezeichnet die allgemeine Angst vor dem Wasser. Thalassophobie kann als eine Unterart der Aquaphobie betrachtet werden.

Unter der allgemeinen Angst vor Wasser versteht man auch Ängste vor Leitungswasser, Duschwasser oder Wasser aus plätschernden Brunnen.

Betroffene beschreiben eine Angst vor dem Gedanken von Wasser eingeschlossen zu werden oder ein diffuses Gefühl, Wasser dringe in alle Körperöffnungen und könne ihnen Schaden zufügen.
Manchmal ist auch die Angst vor Keimen aus natürlichem Wasser oder Leitungswasser ein Teil der Störung.

Schwer aquaphobe Menschen meiden fast alle Arten von Wasser. Das kann so weit gehen, dass sie sich nur mit abgekochtem Wasser oder Mineralwasser aus Flaschen waschen.

Diese Form der Aquaphobie ist sehr selten und bedarf in der Regel einer professionellen Behandlung.

Die Angst vor dem Tauchen

Wer unter Thalassophobie leidet, hat in der Regel auch Panik vor der Vorstellung selbst in die Tiefen der Meere abzutauchen.

Doch die Angst vor dem Tauchen kennen auch Menschen, die sonst keine Probleme mit dem Meer haben.

Tauchgänge sind mit vielen weiteren Aspekten verbunden, die Menschen Angst machen können:

  • Man kann nicht einfach wieder auftauchen, wenn man das möchte.
  • Die Koordination der Ausrüstung ist vor allem für Anfänger eine Herausforderung.
  • Angst vor dem Versagen der Geräte.
  • Angst vor der Dunkelheit und dem Alleinesein an den Orten unter Wasser.
  • Angst nicht genug Luft unter Wasser zu bekommen.
  • Angst vor dem Tiefenrausch.

Wer grundsätzlich keine Angst vor tiefen Gewässern hat, aber vor dem Tauchen, braucht sicher keine Therapie, um einen Tauchgang wagen zu können. Erfahrene Tauchlehrer helfen Anfängern geschickt dabei Ängste zu überwinden.

Bevor es ins offene Wasser geht, gibt es Test-Tauchgänge im Pool oder in Strandnähe. Beim einmaligen Schnupper-Tauchen nehmen Profis die Neulinge unter ihre Fittiche, erledigen fast alle Handgriffe und bieten jederzeit volle Hilfe.

Wie viele Menschen haben Thalassophobie?

„Wie nennt man die Angst vor tiefem Wasser“ – rankt bei den Google Suchanfragen bezüglich Ängsten ganz oben. Das zeigt schon, dass viele Menschen betroffen sind oder zumindest Ängste rund um das Schwimmen im tiefen Wasser kennen.

Das Spektrum der Störung reicht von Gedanken und Fragen, die ab und zu beim Schwimmen auftauchen können (Was ist wohl da unten?) bis hin zur Panik. – Menschen mit schwerer Angst vorm Meer wagen sich nicht einmal in die Nähe eines Strandes.

Experten vermuten, dass rund jeder zehnte Deutsche unter der Thalassophobie leidet. Umfragen zeigen, dass jeder zweite Deutsche Ängste und Bedenken rund um das Schwimmen in tiefen, dunklen und unbekannten Gewässern kennt.

Schaut man sich im Sommer an Stränden am Mittelmeer oder auch am heimischen Baggersee um, kann man dieses beobachten: Es halten sich wesentlich mehr Menschen am Strand auf, als jemals im Wasser zu sehen sind.

Viele Urlauber und Badegäste bleiben stets in Ufer- oder Strandnähe und nur die wenigsten schwimmen aufs offene Wasser hinaus. Das zeigt das Ausmaß der Ängste, aber auch, dass sich die meisten Menschen deswegen nicht vom Aufenthalt am Wasser abhalten lassen. Nur die Tiefe und das Unbekannte werden gemieden.

Test – habe ich eine Thalassophobie?

Wer mindestens drei dieser Fragen mit „ja“ beantworten kann, leidet sehr wahrscheinlich an einer Form dieser Phobie:

  1. Ich gehe nur vom Ufer aus ins Wasser und nutze keine Badestege.
  2. Das Überqueren der Uferrandzone ins tiefere Wasser bereitet mir Probleme.
  3. Beim Schwimmen im tiefen Wasser bekomme ich schlechter Luft.
  4. Das Berühren von Seegras ist mir unangenehm.
  5. Ich möchte meine Füße nicht in die Tiefe des Wassers strecken.
  6. Beim Schwimmen im tiefen Wasser habe ich Bilder von Monstern oder Seeschlangen, die mich packen könnten, im Kopf.
  7. Wenn Blasen vom Meeres- oder Seegrund aufsteigen bekomme ich Angst.
  8. Wenn etwas meine Füße oder Beine beim Schwimmen berührt, werde ich panisch.

Selbst wenn alle Fragen zutreffen, bedeutet das noch nicht die Notwendigkeit einer Behandlung. Erst wenn sich die Ängste zur Panik steigern und die Freude am Baden, Schwimmen oder dem Urlaub am Meer völlig nehmen, ist es ratsam, sich Hilfe zu suchen.

Wer seine Neigung zur einer dieser Phobien noch weiter prüfen möchte, hat sicher auch Freude an diesem Test und Ratgeber von Stern TV: youtube.com/watch?v=vlthup5mXKg

Kleiner Ratgeber bei Thalassophobie und Tipps für den Urlaub

Leichte Fälle von Angst vor dem Meer oder tiefen Gewässern müssen noch kein striktes Fernbleiben bedeuten.

Allerdings können Phobien wie diese die Urlaubs- oder Sommerfreude doch trüben.

Schwierig wird es, wenn innerhalb von Familien ein Elternteil an Ängsten leidet und der Rest nicht.

Hier einige Tipps, wie der Urlaub am Wasser oder Ausflüge in die Nähe von Wasser doch gelingen können:

  • Für viele Betroffene sind wilde Gewässer ein Graus, der seichte Pool in der Hotelanlage ist aber völlig in Ordnung.
  • Einigen Menschen machen Meere mit breiten Niedrigwasser-Bereichen (Ägypten, Karibik, Thailand) weniger aus, als wilde Küsten mit hohen Wellen.
  • Thalassophobiker sollten nicht in Hotels in Wassernähe schlafen.
  • Für den Betroffenen sollten Beschäftigungsmöglichkeiten abseits des Wassers ausreichend Freizeitvergnügen bieten.

Selbsthilfe bei Phobien aller Art

Bei vielen Phobien bieten schon ein paar ganz einfache Tipps und Mentaltechniken willkommene Hilfe.

Wichtig ist es zunächst, sich der Angst zu stellen und sie sich einzugestehen.

Jeder Mensch kennt diffuse Ängste. Die Angst vorm Meer ist nur eine von vielen weit verbreiteten Phobien.

In diesem Ratgeber gibt ein Experte für Neurolinguistisches Programmieren eine anschauliche Erklärung, wie Angst Schritt für Schritt entlarvt und beseitigt werden kann:
youtube.com/watch?v=0DNF8ovQbVM

Die professionelle Therapie der Thalassophobie

Ist die Angst so schlimm, dass Selbsthilfemaßnahmen nicht greifen, empfiehlt sich eine begleitete Therapie.

Eine wirklich krankhafte Angst liegt dann vor, wenn diese Anzeichen zutreffen:

  • Die Angst vor tiefem Wasser ist anhaltend, übermäßig und unverhältnismäßig.
  • Die Angst tritt immer auf, wenn der Patient tiefem oder offenem Wasser nahe ist.
  • Der Betroffene meidet das Meer oder andere große Gewässer. Bei Konfrontation ist große Angst zu spüren.
  • Die Angst beeinträchtigt ernsthaft das Leben des Betroffenen.
  • Die Angst besteht seit mindestens sechs Monaten

    (Fragenkatalog aus dem Handbuch zur Beurteilung und Diagnose psychischer Störungen)

Therapeuten heilen das Krankheitsbild mithilfe von:

  • Kognitiver Verhaltenstherapie
  • Systematischer Desensibilisierung und
  • Konfrontationstherapie.

Lässt sich die Störung nicht erfolgreich bekämpfen und ist die Nähe zum Wasser nicht vermeidbar, kommen auch Medikamente zum Einsatz.


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Quellen:

  • vice.com/de/article/vbgayb/angst-vorm-schwimmen-in-naturlichen-gewassern-scheint-ein-unterschatztes-problem-zu-sein
  • testedich.de/gesundheitstests/krankheiten/phobie-angststoerung/quiz56/1535409493/phobie-vor-der-tiefe-des-meeres-thalassophobie
  • alleangeln.de/forum/angeln-allgemein/angst-vor-fischen-24099
  • de.wikipedia.org/wiki/Thalassophobie#Diagnose_und_Symptome
  • focus.de/gesundheit/praxistipps/aquaphobie-das-steckt-hinter-der-angst_id_8234138.html