Angst vor dem erstem Arbeitstag

Angst vor erstem Arbeitstag? (© fizkes / stock.adobe.com)
Angst vor erstem Arbeitstag? (© fizkes / stock.adobe.com)

Wenn die Schulzeit vorbei ist und der Ernst des Lebens beginnt, fühlen sich manche jungen Menschen stark verunsichert. Plötzlich soll man eine Uniform, einen Anzug oder einen Overall statt der gewohnten Jogginghosen tragen. Doch auch erwachsene Menschen haben gelegentlich Angst vorm erstem Arbeitstag – zum Beispiel nach längerem Urlaub oder beim Wechsel in ein anderes Unternehmen.

Weitere Gründe sind, dass man vom vorherigen Arbeitsgeber gekündigt wurde und längere Zeit arbeitslos war. Außerdem kann es nach langer Krankheit oder wegen einer Sozialphobie zu Angst vor dem ersten Arbeitstag kommen. Solche Ängste kennen auch Menschen, die auf einen höheren Posten befördert wurden. Sie müssen als Teamleitungen plötzlich 16 Stunden arbeiten und mehr Verantwortung übernehmen.



Die Angst vor dem erstem Arbeitstag

Für manchen Mitarbeiter fühlen sich solche Ängste ähnlich harmlos an, wie die Angst des Schauspielers vor jeder neuen Vorstellung. Man nennt es Lampenfieber. Es vergeht nach einer Weile von allein. Bei manchen Menschen wirken sich solche Ängste aber gravierender aus. Die Betroffenen verspüren nicht nur Nervosität. Sie reagieren körperlich auf die neue Herausforderung.

Durchfall, Herzrasen, Beklemmungen und Schweißausbrüche können beim Antritt einer neuen Stelle vorkommen. Ob der Job selbst überfordert oder der neue Mitarbeiter gestresst und unsicher ist, ist zu hinterfragen. Vor allem sollte verhindert werden, dass aus der Angst vorm erstem Arbeitstag eine Angstspirale entsteht (s.a. Angst vor Probearbeiten). Die Angst vor Überforderung kann sich verselbstständigen. Die Angstsymptome können immer schlimmer werden. Am Ende haben die Betroffenen sogar Angst vor der Angst. Vgl. auch Teufelskreis der Angst durchbrechen

Auch der Wiederantritt von Lehrkräften nach den Sommerfeien kann mit seelischen Belastungen einhergehen. Schüler verhalten sich heute potenziell aggressiver. Sie sind weniger konzentriert. Konflikte mit ausländischen Mitschülern oder deren Eltern sind an der Tagesordnung. Die Corona-Pandemie hat die psychischen Belastungen noch weiter gesteigert. Maskenpflicht und Distanzunterricht haben viele Lehrer an den Rand ihrer psychischen Belastungsfähigkeit gebracht. Die Angst vor dem ersten Arbeitstag ist verbreiteter, als viele denken. Viele Mitarbeiter kennen die latente Angst, Eingabe-Formeln oder Passwörter für den Zugang zum firmeneigenen Intranet vergessen zu haben. Sie wissen nicht, was sich in ihrer Abwesenheit ereignet oder auf ihrem Schreibtisch aufgetürmt hat.

Wer schon länger in einem Unternehmen angestellt ist, fürchtet vielleicht einen cholerischen Vorgesetzten. Manche Mitarbeiter werden von Kollegen gemobbt. Die Gedanken rasen. Der Puls steigt. Manche Frauen fürchten, aus Angst vor Überforderung zu versagen. Sie brechen bei Kritik an ihrer Arbeitsweise in Tränen aus. Jungmanagerinnen haben Angst vor einer Selbstpräsentation in der kritischen Runde erfahrener Kollegen. Sie ahnen, dass die Performance eines ängstlichen und aufgeregten Menschen keinen guten Eindruck hinterlassen wird. Mancher ältere Kollege fragt sich vielleicht, warum nicht er befördert wurde.

Es ist jedoch der falsche Weg, seine Unsicherheiten und Ängste mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln zu kaschieren. Noch weniger eignet sich eine Krankschreibung. Wer wegen Mobbing, einer vergifteten Arbeitsatmosphäre oder ständigen Überstunden panische Angst vor dem ersten Arbeitstag verspürt, sollte sich die Frage stellen, ob er im richtigen Unternehmen arbeitet.

Die zweite Frage muss jedoch lauten: Bin ich vielleicht psychisch krank? Leide ich an sozialen Ängsten? Auch nervliche Belastungen im privaten Bereich oder Lebenskrisen – etwa Todesfälle enger Angehöriger oder eine Scheidung – können zu Gefühlen der Überforderung – oder am anderen Ende der Skala dem Gefühl innerer Leere – führen. In jedem Fall ist es klug, offen über solche Probleme zu sprechen und Hilfe anzunehmen.

Quellen:

  • karrierebibel.de/erster-arbeitstag/
  • apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/symptome/angst-und-angststoerungen-737451.html
  • planet-wissen.de/gesellschaft/kommunikation/konflikte/mobbing-im-beruf-100.html
  • haufe.de/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/corona-lehrkraefte-leiden-unter-starker-psychischer-belastung_94_532186.html

Was erwartet Mitarbeiter am ersten Arbeitstag?

Wer als neuer Mitarbeiter in einem Unternehmen seinen ersten Arbeitstag absolviert, muss keine Nervenkrise bekommen. Jemand wird einen durch das Unternehmen führen. Die neuen Kollegen werden vorgestellt. Man erhält Tipps, wo man mittags gut essen kann oder wo sich firmeneigene Fitnessräume befinden. Der eigene Arbeitsplatz wird belegt und auf die persönlichen Bedürfnisse eingerichtet.

Selbst wenn der neue Kollege bereits im selben Beruf gearbeitet hat, erwartet niemand, dass er sich sofort in die Arbeit stürzt. Der erste Tag gilt traditionell als Schonzeit. Zudem hat jedes Unternehmen spezielle Arbeitsweisen, Abläufe, Zuständigkeiten und Unternehmensstrategien. Ein neuer Mitarbeiter muss sich zunächst mit den Abläufen im Hause, mit neuen Computerprogrammen und den Arbeitsfeldern von Kollegen vertraut machen. Er wird in der Regel von Kollegen eingewiesen. Nach einigen Tagen arbeitet er bereits mit an neuen Projekten oder wird Teil eines Teams. Normalität kehrt ein. Von Routine kann aber noch keine Rede sein.



Eine andere Situation ist gegeben, wenn der erste Arbeitstag nach längerer Pause ansteht. Längere Krankheiten oder Mutterschaftsurlaube verursachen bei manchem erhebliche Angst vor dem ersten Arbeitstag. Was mag sich geändert haben? Wurde man in der Zwischenzeit ersetzt? War die Vertretung vielleicht besser oder schneller? Werden einem andere Aufgaben zugewiesen? Solche und ähnliche Gedanken beschäftigen nicht nur Menschen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben. Man kann in seinem Job noch so erfahren und gut sein: Latente Ängste sind dennoch möglich. Viele Fragen in Online-Foren zeigen das an.

Quellen:

  • ottonova.de/life-hacks/arbeit/tipps-erster-arbeitstag
  • youtube.com/watch?v=unMIQo898Jo
  • youtube.com/watch?v=zxvMQ9u0cg8
  • gutefrage.net/frage/angst-vor-dem-ersten-arbeitstag
  • gutefrage.net/frage/panische-angst-vorm-ersten-arbeitstag

Was kann Angst vorm ersten Arbeitstag auslösen?

Ängste können unterschiedliche Auslöser haben. Sie können sowohl situativ begründet sein als auch in der Persönlichkeit des Arbeitnehmers liegen. Mögliche Angstauslöser sind

  • ein geringes Selbstwertgefühl
  • eine chronische Opferhaltung
  • zu hohe Arbeitsbelastung
  • übermäßiger Zeitdruck
  • schlechte Arbeitsatmosphäre
  • ständiges Kritisieren durch Kollegen
  • ein Narzisst als Vorgesetzte
  • die panische Angst, Fehler zu machen
  • übertriebene Ansprüche an eigene Fähigkeiten
  • der Hang zum Perfektionismus
  • mangelnde soziale Kompetenz
  • soziale Ängste
  • sexuelle Anzüglichkeiten und unerwünschte Berührungen
  • oder Angst vor dem Versagen bei wichtigen Präsentationen.

Die genannten Punkte sind nur Beispiele. Wer herausfinden möchte, was bei ihm Ängste auslöst, sollte sich folgende Frage stellen: „Was müsste sich aus meiner Sicht ändern, damit ich wieder angstfrei arbeiten gehen kann?“

Quellen:

  • hellobetter.de/blog/angst-vor-der-arbeit/
  • t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_70473656/angst-vor-der-arbeit-ueberwinden-so-schoepfen-sie-mut.html
  • blog.anjaschreiber.de/gegen-die-panik-wie-sie-ihre-angst-im-beruf-ueberwinden
  • Angst vor Arbeit und Chef

Wie kann man mit dem Angstproblem umgehen?

Wenn die Angst vorm ersten Arbeitstag zu körperlichen Symptomen führt, könnte der oder die Betroffene psychisch krank sein. Die Betroffenen sollten trotzdem zur Arbeit gehen. Oft verschwinden solche Ängste bereits in den ersten zwei Stunden.

Viele Kollegen kennen ängstliche Fragen und Gedanken ebenfalls. Doch wer gibt schon zu, dass er solche Befürchtungen hat oder vor dem ersten Arbeitstag schon Angst vor dem Einschlafen? Bestenfalls können Betroffene mit einer guten Freundin darüber sprechen, dass ihnen die Nerven am ersten Arbeitstag geflattert haben. Mit Sicherheit kennt auch die Freundin das Gefühl, alles vergessen zu haben, was die Arbeit betrifft. Genau das ist aber Sinn und Zweck eines Urlaubs. Doch erstaunlicherweise finden sich die Mitarbeiter meist schneller zurecht als gedacht.

Die Angst vorm erstem Arbeitstag ist weit verbreitet. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Menschen nach ein paar Stunden wieder im gewohnten Trott sind. Sie werden ihren Aufgaben im Job gerecht. Die anfängliche Nervosität weicht der Routine. Bleibt die Nervosität aber erhalten und am nächsten Tag wacht der Betroffene mit derselben Angst auf, gibt es ein Problem. In diesem Fall sollte man möglicherweise ein Betriebsratsmitglied oder seinen direkten Vorgesetzten zu einem vertraulichen Gespräch bitten. Es ist wichtig, sich dem Problem zu stellen. Im Gespräch kann man gemeinsam nach Ursachen suchen.

Fragen nach der Arbeitsatmosphäre und dem Arbeitsanfall sind dabei ebenso wichtig wie ehrliche Berichte über Mobbing oder Konflikte mit Kollegen. Der Betroffene macht vielleicht in diesem Zustand keinen guten Eindruck. Aber der Angesprochene wird prüfen, ob er in der Sache tätig werden muss oder nicht. Der Chef könnte den gestressten Mitarbeiter vorübergehend mit anderen Aufgaben betrauen. Die Teamleitung könnte ihm einen guten Psychotherapeuten empfehlen. Man könnte die gestresste Kollegin fragen, ob ihr eine Stelle in einem anderen Team helfen würde. Jeder hilfreiche Tipp verbessert die Situation.

Die Teamleitung kann der Betroffenen Tipps zum geschickteren Umgang mit schwierigen Kollegen geben. Oft sind solche Kollegen bereits anderweitig aufgefallen. Sie haben ein Ego-Problem oder sind ausgemachte Machos. Manche Mitarbeiter haben Angst um ihre Stelle. Sie kommen mit den technischen Entwicklungen nicht mehr mit. Daher mobben sie neue Kollegen, die besser sein könnten. Das offene Gespräch mit Teamleitungen, Betriebsratsmitgliedern oder Vorgesetzten ist wichtig – auch für den Betroffenen selbst. Er bemerkt, ob er in seinen Nöten ernstgenommen wird oder nicht. Seine Stelle darf wegen der Angststörung nicht gefährdet werden. Wichtig ist jedoch das Signal, dass man seine Probleme möglichst schnell bewältigen möchte.

Quellen:

  • unternehmer.de/psychologie/266460-arbeitsplatzphobie-ueberwinden
  • flowlife.de/magazin/angst-arbeit/
  • bptk.de/krank-vor-angst-und-arbeitsunfaehig/
  • psychic.de/forum/agoraphobie-panikattacken-f4/krankgeschrieben-wegen-angststoerung-t54160.html

Wann sind Ängste vorm ersten Arbeitstag behandlungsbedürftig?

Herzrasen, Angstschweiß, Panikattacken sind ernstzunehmende Symptome. Sie zeigen eine ausgewachsene Angstproblematik an. Der oder die Betroffene kann anhand solcher Symptome beurteilen, ob der Leidensdruck erheblich ist. Ist das der Fall, sollte der Betroffene psychologische Hilfe in Anspruch nehmen (Was kann man gegen Angst machen?). Oft können die Betroffenen mit der Unterstützung der Vorgesetzten rechnen. Sie sollten sich daher gut auf das Gespräch mit dem Chef oder der Teamleitung vorbereiten.

Ob andere Kollegen von der Problematik informiert werden sollen, ist später zu entscheiden. Möglicherweise erfordert die Genesung einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Während dieser Zeit muss jemand anders die Arbeit des erkrankten Kollegen übernehmen. Wer sich gemobbt fühlt und deswegen erkrankt, gilt leicht als Opfer. In der Regel werden Opfertypen erst recht gemobbt und gehänselt. Viele Vorgesetzte unternehmen bei solchen Problemen nichts, obwohl sie es müssten. Ein ernstes Gespräch oder eine Abmahnung an die Adresse der Verursacher wären angemessene Reaktionen. Doch oft wollen Mobbing-Betroffene ihre übergriffigen Kollegen nicht verpfeifen. Sie bitten lieber um eine Versetzung oder kündigen nach längerer Krankschreibung wegen ihrer Angsterkrankung.

Auch in einem neuen Unternehmen kann jemand Angst vorm ersten Arbeitstag erleben. Im schlimmsten Falle droht Menschen, die ihre Angstprobleme nicht in den Griff bekommen, die Erwerbsminderungsrente. Globuli gegen Depression und Angst? – Ohne professionelle Hilfe ist das Problem kaum zu bewältigen. Siehe auch: Keine Ängste mehr haben

Angst vor erstem Arbeitstag? (© fizkes / stock.adobe.com)
Angst vor erstem Arbeitstag? (© fizkes / stock.adobe.com)

Quellen:

  • wiwo.de/technologie/forschung/seelische-erkrankungen-die-sieben-groessten-gefahren-fuer-die-psyche/14505872.html
  • anwaltskanzlei-wue.de/2018/02/05/em-rente-wegen-depressionen-und-psychischen-erkrankungen/
  • psyche-und-arbeit.de/?p=786
  • praxistipps.focus.de/angst-zur-arbeit-zu-gehen-was-sie-dagegen-tun-koennen_124650