Phasen der Depression

Phasen der Depression (© Thomas Bernd / stock.adobe.com)
Phasen der Depression (© Thomas Bernd / stock.adobe.com)

Die verschiedenen Phasen der Depression

Deprimiert zu sein, ist kein angenehmer Zustand. Die meisten Menschen kennen solche Tage. Man ist frustriert, fühlt sich niedergeschmettert oder knabbert an einem Erlebnis, das einen getroffen hat. Solche Tage vergehen. Sie hinterlassen meist keine gravierenden Nachwirkungen. Man kann bei solchen Ereignissen von einer situationsbedingten Depression sprechen. Ob der medizinische Begriff „Depression“ bei der Kürze dieses Ereignisses angemessen ist, ist die Frage.

Auch die saisonale Depression – den sogenannten Herbst- und Winterblues – kennen viele Menschen. Die Medizin hat dafür einen Fachbegriff geprägt: saisonal abhängige Depression (SAD). Der Grund mag darin liegen, dass diese Depression mehrere Monate anhält. Oft wird sie mit Tageslichtduschen und Johanniskraut behandelt. Möglich ist auch, dass eine depressive Grundhaltung in der dunklen Jahreszeit noch schlimmer wird. In diesem Fall wird u.U. eine Behandlung mit einem Antidepressivum eingeleitet.

Depression vs. depressive Verstimmung (© zinkevych / stock.adobe.com)
Depression vs. depressive Verstimmung (© zinkevych / stock.adobe.com)

Depression oder depressive Verstimmung: Was ist der Unterschied?

Die depressive Verstimmung ist meistens situativ bedingt. Ein konkreter Anlass hat sie ausgelöst. Depressive Verstimmungen können also wetterbedingt, aufgrund eines Konflikts in der Partnerschaft, durch hormonelle Schwankungen oder einen heftigen Anranzer vom Chef entstehen.

In der Regel halten solche Stimmungen jedoch nicht lange an. Man spricht mit einem guten Freund, gönnt sich eine kurze Auszeit oder klärt den auslösenden Konflikt. Schlimmstenfalls dauert eine depressive Verstimmung ein paar Tage oder Wochen. Nach dieser Phase setzen die Betroffenen ihr Leben fort. Möglicherweise ziehen sie aus dem auslösenden Ereignis Konsequenzen. In jedem Fall gehen die Betroffenen aber gestärkt und mit positiven Gefühlen aus dem Gefühlstief heraus. Medikamente werden meistens nicht benötigt.

Der Begriff „Dysthymie“ wird für anhaltende depressive Verstimmungen genutzt. Zwar nehmen die Betroffenen weiterhin am Leben teil. Sie fühlen sich aber dauerhaft freudlos, bedrückt oder frustriert. In diesem Fall ist eine psychotherapeutische Behandlung hilfreich. Die Betroffenen erkennen jedoch meist den Zusammenhang zwischen der depressiven Stimmung und dem auslösenden Ereignis. Vgl. auch: Reaktive Depression.

In schwierigen Lebensphasen fühlt jeder Betroffene sich traurig, frustriert, bedrückt, mutlos, schlapp und niedergeschlagen. Er möchte sich verkriechen. Hochsensible bzw. hochsensitive Menschen erleben solche Zeiten intensiver als andere. Sie haben ein empfindlicheres Nervensystem und nehmen oft auch die Gefühle ihres Gegenübers auf. Daher benötigen sie etwas länger, um sich neu zu sortieren. Wenn diese Menschen wissen, dass sie hochsensitiv sind, können sie meist besser mit ihren Gefühlen umgehen. Sie entwickeln Strategien, die ihnen helfen. Wer nicht um seine erhöhte Sensitivität weiß, leidet intensiver.

Aus einer depressiven Stimmung kann allerdings eine echte Depression werden (vgl. auch: Was ist eine Major Depression?). Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der auslösende Konflikt ungelöst bleibt oder der Betroffene es nicht schafft, neue Anfänge zu machen. Auch andere Gründe wie Hormonmängel, Botenstoff-Defizite oder eine familiäre Neigung zu Depressionen können auslösend sein. Typische Anzeichen sind ein Gefühl der Sinnlosigkeit und inneren Leere, der Freudlosigkeit und Kraftlosigkeit. Soziale Kontakte werden gemieden. Man empfindet sie als anstrengend. Der Betroffene versucht, in sozialen Situationen zwar, zu funktionieren – aber es ist ein Kraftakt. Der soziale Rückzug ist allerdings kontraproduktiv. Er macht alles noch schlimmer.

Die Betroffenen grübeln, vergraben sich in Selbstzweifeln und Gefühlen der Wertlosigkeit. Sie klagen sich selbst an, haben ständig Kopfschmerzen, schlafen schlecht und leiden an Appetitmangel. Das Leben ist plötzlich grau in grau. Sozialleben und Arbeitsfähigkeit schwinden. Der Leidensdruck steigt. Zu unterscheiden sind eine leichte, eine mittelschwere und eine schwere Depression. Die schwere Depression kann von Zwangsgedanken, Suizidwünschen und psychotischen Wahnvorstellungen begleitet werden (vgl. auch: Was ist eine psychotische Depression?). In der Regel wird bei leichten bis mittelschweren Depressionen eine Psychotherapie eingeleitet.

Begleitend können Tageslichtduschen, hochdosierte Johanniskraut-Präparate, Bachblüten-Mischungen oder Homöopathie genutzt werden. Menschen mit schweren Depressionen gehören zum Psychiater. Bei ihnen wird eine medikamentöse Behandlung als Grundlage der Therapie eingeleitet (siehe Antidepressiva Liste).

Quellen:

  • heilpraxis-jutta-franke.de/depressive-verstimmung-oder-depression/
  • die-inkognito-philosophin.de/blog/depressive-verstimmung-was-ist-das
  • sparmedo.de/ratgeber/depression-depressive-verstimmungen-123/
Phasen der Depression (© Thomas Bernd / stock.adobe.com)
Phasen der Depression (© Thomas Bernd / stock.adobe.com)

Nicht jede schlechte Phase ist eine Depression. Wie erkenne ich den Ernstfall?

Zu unterschieden sind depressive Phasen von einer ausgewachsenen Depression anhand ihrer Dauer und ihres Schweregrades. Eine Scheidung oder der plötzliche Tod eines Elternteils kann Menschen in eine depressive Phase stürzen. Diese kann längere Zeit anhalten.

Die betroffenen Menschen suchen jedoch Begegnungen und Gespräche. Sie streben danach, ihre niedergedrückte Stimmung in den Griff zu bekommen. Sie können das belastende Erlebnis meist nach und nach verarbeiten. Sie sind trotz ihrer deprimierten Stimmung in der Lage, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Ablenkung tut ihnen gut. Die Betroffenen können auch mal lachen und Spaß haben. Der Freundeskreis ist weiterhin wichtig. Er wirkt unterstützend, drängt sich aber nicht auf.

Gute Tage wechseln sich oft mit deprimierten Phasen und gesteigerten Rückzugsbedürfnissen ab. Doch die Betroffenen arbeiten daran, dass ihre Stimmung sich wieder bessert. Sie nehmen Hilfe und guten Rat an. Die Enkel werden verwöhnt, ohne dass die Depressivität ihrer Oma sich Bahn bricht. Austausch mit ähnlich Betroffenen oder Buch-Ratgeber helfen weiter. Ein junger Therapiehund kann wieder Lebensfreude ins Leben bringen. Für manche Betroffene sind / scheinen Bachblüten und homöopathische Globulis gegen Angst und depressive Stimmungen hilfreich.

Wenn sich jedoch auf Dauer ein Gefühl der inneren Leere, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung breit macht, ist das ein Alarmsignal. Der Ernstfall kann sich unbemerkt einschleichen. Er deutet sich durch ein Bedürfnis nach sozialem Rückzug, düstere Gedanken und tiefe Verzweiflung an. Alles scheint sinnlos zu sein. Das Interesse an der Arbeit, an Hobbys, der Natur oder anderen Menschen schwindet. Das Leben wird als trostlos und grau wahrgenommen. Die Lebensfreude ist verschwunden. Der Körper fühlt sich an wie von einer schweren Last erdrückt. Der Betroffene verschwindet für Wochen oder Monate gefühlt hinter einer Wand aus Dunkelheit und Einsamkeit. Die Gedanken an Selbstmord häufen sich. Ob der Betroffene über seine Gefühle spricht oder nicht, ist unterschiedlich.

Depressiv (© Stanislaw Mikulski / stock.adobe.com)
Depressiv (© Stanislaw Mikulski / stock.adobe.com)

Oftmals erfolgen ein oder mehrere Suizidversuche, bevor das Umfeld etwas merkt. Wenn eine Depression über mehr als drei Monate anhält, ist Warnstufe Rot. Die Verlaufsformen einer Depression können sich aber unterscheiden. Es gibt rezidivierende Depressionen und solche, die jahrelang bestehen. Folgende Unterscheidungen werden im medizinischen Bereich gemacht:

  • situative Depression als Reaktion auf konkrete Ereignisse
  • saisonal abhängige Depression (SAD) bzw. Winterblues
  • präpartale bzw. postpräpartale Depression bzw. Wochenbett-Depression
  • persistierende Depression (Dysthymie)
  • atypische Depression (Zyklothymie)
  • bipolare Störung bzw. manisch-depressive Erkrankung
  • sowie eine Psychose als schwere Depressions-Form.

Außerdem sind in der Psychologie die Begriffe reaktive Depression und larvierte Depression bekannt.

Depressive Verstimmungen können je nach Menschentyp und Naturell als rezidivierende Stimmungstiefs auftreten. Das weist möglicherweise auf eine depressive Grundstimmung hin. Es kann aber auch auf ein besonders empfindsames, hochsensitives Nervenkostüm hinweisen. Die gute Nachricht ist: Auch eine schwere klinische Depression kann mit einer geeigneten Therapie und Medikamenten (siehe: Welche Antidepressiva gibt es) behandelt und überwunden werden. Der Zeitraum, an dem eine Behandlung beginnt, entscheidet oft mit über den Behandlungserfolg. Erfolgreich ist beispielsweise die Übertragungs-fokussierte Psychotherapie.

Die Behandlung dieser Erkrankung wird wegen ihrer gravierenden Symptome regelmäßig überwacht. Manchmal wird eine Klinikeinweisung notwendig. In akuten Krisen sind psychiatrisch-klinische Ambulanzen zuständig. Die Partner depressiver Menschen stehen oft vor großen Herausforderungen (vgl.: Depression – was tun als Partner). Sie können nur bedingt helfen. Nach einem Suizid des Partners werden sie selbst hilfebedürftig.

Quellen:

Welche Behandlungsphasen der Depression unterscheidet man?

Die Phasen der Depression werden häufig in 6 Stufen oder 5 Phasen unterteilt. Bei der Zuordnung zu den unterschiedlichen Phasen der Depression werden z.B. die folgenden Facetten beleuchtet:

  • Schuld- und Versagensgefühl
  • innere Isolation, Getrenntheits-Gefühle
  • Gleichgültigkeit gegenüber dem gewohnten Alltag
  • Gedankenmühlen und Zwangsgedanken
  • Gefühl der Resignation

Die Phasen einer Depression bestimmen mit über die Therapie. Die Verlaufsformen einer Depression sind je nach Typus unterschiedlich (vgl. Arten von Depressionen). Die oft gegoogelten „5 Phasen einer Depression“ sind jedoch nicht unumstritten.

Ob jemand die Depression nun in 5 Phasen oder 6 Stufen unterteilt, ist bestenfalls für die Therapie einer Depression nach bestimmten Gesichtspunkten relevant. Ein Therapeut könnte die verschiedenen Stufen der Depression als Modell nutzen, um bestimmte Erkenntnisse zu gewinnen. Fakt ist aber, dass der Verlauf einer solchen Erkrankung individuell ist. Depressionen verlaufen trotz aller Gemeinsamkeiten, die die Symptome definieren, nicht nach einem bestimmten Ablaufschema ab. Ob die unterschiedlich festgelegten Stufen der Depression tatsächlich eine Relevanz haben oder nicht, soll hier aber nicht vertieft werden.

Immerhin können die Phasen einer Depression beim ersten Auftreten typischer Symptome medikamentös und durch eine Therapie kontrolliert werden. Die Therapie richtet sich beispielsweise danach, in welchen Phasen der Depression sich der Patient gerade befindet. In den ersten 5 Phasen kann eine Akuttherapie die Wartezeit auf eine Psychotherapie überbrücken. Die Erhaltungstherapie wird erst möglich, wenn die sechs Stufen oder Phasen der Depression einigermaßen überwunden sind. Ob der Betroffene bei seinen verschiedenen Depri Phrasen einen Unterschied bemerkt, sei dahingestellt. Für ihn fühlen sich vermutlich alle Depri Phrasen gleichermaßen erschlagend an.

Wenn die Remissionsphase einsetzt, kann sich die Erkrankung trotzdem noch belastend anfühlen. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer auf eine baldige Besserung. Es kann jedoch bei bestimmten Depressionsformen notwendig sein, die Behandlung trotz einer Remission fortzuführen. Dann haben wir es in den angenommenen Phasen einer Depression mit der Prophylaxe-Phase zu tun. Die Rückfallprophylaxe ist insbesondere bei rezidivierenden Depressionen anzuraten. Die Psychotherapie-Sitzungen werden aber in größeren Abständen vorgenommen. Unabhängig davon, ob die Stufen der Depression unipolar, bipolar, rezidivierend oder chronisch verlaufen, kann der Krankheitsverlauf durch die Therapie positiv beeinflusst werden.

Quellen:

  • die-inkognito-philosophin.de/blog/depression-binnenstruktur-6-phasen
  • t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_72599266/phasen-der-depression-diese-sechs-stufen-sind-typisch.html
  • meinwegausderangst.de/5-phasen-der-depression/
  • aerztezeitung.de/Medizin/Die-sechs-Stufen-der-Depression-249328.html
  • youtube.com/watch?v=hC3YvaDlDFc